Yma Sumac, eine der grandiosesten und durchgeknalltesten Sängerinnen des vergangenen Jahrhunderts, ist letzten Samstag im Alter von 86 Jahren in Hollywood verstorben.
Die Fürstin der Anden mit ihrer außergewöhnlichen Stimme hat mich seit meiner Jugend begleitet und ist ein Teil meiner Lebensgeschichte. Die Achtziger Jahre ohne die Sumac sind quasi undenkbar … Mambo!
Wir alle müssen irgendwann gehen, daran ist nun einmal nichts zu ändern, es ist dies der Lauf der Welt, und es ist ein Segen, wenn man nach einer wirklich großen Karriere vom Anfang der 1950er Jahre bis in die jüngste Zeit hinein dann singend und trillernd so alt werden darf ohne allzu lange leidend zu sein zum Ende hin.
Manche leben weiter in ihrer Musik, und es gibt bekanntlich keine Sprache, die so die Herzen verbindet und berührt wie Musik. Die Sumac wird zweifellos weiterleben, dafür hat sie mit ihrem teils sehr exzentrischen, ja fast schon experimentellen Repertoire und ihren fast sechs Oktaven Tonumfang aufs Kreativste und Atemberaubendste gesorgt.
Wünsche also von ganzem Herzen eine bezaubernde und glückliche Reise in die nächste Inkarnation, hochverehrte Frau Sumac, und sage tausend Dank für viele, viele zauberschöne Lieder und Erinnerungen!
“That I made good music and made happy, their hearts”
(Yma Sumac auf die Frage, wofür sie in Erinnerung bleiben wolle …)
Die Frage lautet: Macht es überhaupt Sinn, diesen Blog zu führen, sich öffentlich zu äußern über die Dinge, die einen umtreiben, und, wenn es derzeit insbesondere eine bestimmte Reihe Zusammenhänge ist, die einen überwiegend bewegt und über die man dann auch schreibt. Macht es also Sinn, Gefahr zu laufen als hysterische Dauerwiederholerin von Themen, die kein Mensch mehr hören will dargestellt, ja fast beschimpft zu werden? Ist es so, daß man als BloggerIn bitte nicht andauernd “den ewig gleichen Sermon” von sich geben soll, sondern gefällig über dies und das und jenes schreiben soll, um nicht die Unbill von Generalkritik erleben zu müssen, einer Kritik, die ja an dem tatsächlichen, tieferen Inhalt der Schreibe gänzlich vorbeigeht?
Ist es in Zeiten wie diesen eher angesagt, nicht zu laut und zu fortwährend nur ein Thema vordringlich zu beackern, um nur ja niemanden auf die werten (aufgrund der trotz aller Augenwischerei jedem deutlichen Bedrohlichkeit der Lage ängstlich bis panischen) Nerven zu fallen mit Dingen, die ohnehin schon schlimm genug und zudem ja “nicht zu ändern” (ich kotz innerlich bei diesen Worten!) sind? Ist weniger intensive und andauernde Auseinandersetzung mit dem gerade vor aller Augen stattfindenden Totalkollaps des Weltfinanzsystems und dem daraus sich fast zwangsläufig zu ergeben scheinenden Totalkollaps all dessen, was wir systemisch, also hier politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich für gegeben und gültig erachten nicht opportun? Ist die ‘Gelassenheit’, deren Gewinnung und Pflege mir dieser Tage angesichts meiner Schreibe dringend angemahnt wurde, eine Umschreibung für “bloß ja nicht zu intensiv auf die aktuelle Lage eingehen, es könnte einen vielleicht selbst betreffen”?!
Ist man, wenn man versucht schriftlich Dinge darzustellen und aufzuarbeiten, die einen sehr bewegen und umtreiben, teilweise in eine abgründige Wut bis hin zur Verzweiflung treiben dann, bevor man sichs versieht und ohne es zu wollen automatisch in der Rolle der Kassandra gefangen?
Ist man die Hobby-Prophetin und Vorsängerin des Untergangs-Mantras, wenn man den Schwanengesang des Westens auf seine kleine Weise auseinandernimmt und darstellt, dieweil eben dieser Untergang und Abgesang allseits geschieht und man doch eigentlich nurmehr kommentieren kann, was in atemberaubender Geschwindigkeit an Schwachsinn und Perfidie auf diesem Planeten abläuft, den man ja durchaus sehr liebt, wie man auch seine Bewohner sehr liebt, obwohl man Letztere gerne zuweilen aus Verzweiflung mit der Peitsche in die Erkenntnis triebe, die man ja doch selbst oft gar noch nicht besitzt, geschweige denn lebt?!
Ich bin ja eine durchgedrehte, ausdrücklich spirituell orientierte Hobbytranse mit Intensivthemen in Intensivzeiten. Schon immer so gewesen. Steinalte, schlimm bekloppte, in diese Welt verliebte Seele mit entnervendem Hang zur ungebetenen verbalen oder schriftlichen Äußerung. Oder sowas in der Art … wei wei …
Von August bis Dezember 1989 hing ich nur noch vor der Glotze oder direkt in Berlin und an der Mauer. Weltnetz war damals ja noch nicht. Ich bin froh, daß ich die Dinge direkt erleben konnte, denn wenn ich heute auf Bücher angewiesen wäre, um mir ein Bild dieser Zeit zu machen, dann gute Nacht! Bei dem oft ungeheuren bis skandalösen Blödsinn, der da heutzutage über diese Zeit geschrieben wird …
Das heißt nun keineswegs, daß mein Leben in der jeweiligen intensiven Auseinandersetzung mit einem Thema nur noch um eben dieses kreist. Dieweil ich meine Tage 1989 damit verbrachte, ähnlich wie derzeit, alles, wie eine Staubsaugerin auf Speed, einzusaugen, was nur irgend an Information und Erleben des Themas, damals also “Mauerfall” nebst sämtlicher damit Zusammenhängender Bereiche verfügbar war, hatte ich nebenbei z.B. einen nahezu perfekten Liebhaber aus Magdeburg aufgetan, mit dem ich mehr als Spaß hatte und an den ich heute noch gerne denke. Liebe Zeit, der Mann hatte Rythmus! Zudem gabs da noch das äußerst wilde Leben in Westberlin, auch das ging trotz Intensivthema keineswegs an mir vorbei. Ich stand nicht wochenlang 24 Stunden am Tag fröstelnd in der Scheißkälte am Brandenburger Tor oder am Potsdamer Platz und anderswo und spielte Mauerspechtin im Novembernebel …
Und ebensowenig sitze ich heute 24 Stunden am Tag nur vor der Glotze und meiner Apfelrechnerin, bekomme vierckige Augen, hysterischen Anfall und dreh durch angesichts dessen, was sich da an möglichem Abgrund für die Welt auftut … ich hab ja ‘ganz nebenbei’ auch noch nen grandiosen Kerl, der meine Zeit schön in Anspruch nimmt, was mir sehr gefällt (…), zudem geh ich sogar aus, wenn ich in letzter Zeit auch eher seltener unterwegs war (das fortgeschrittene Alter, die faule Bequemlichkeit, die öde Szene, das Rauchverbot usw.) und mich viel zu lange nicht mehr so richtig wüst besoffen habe um dann, in diesem herrlich berauschten Zustand die strunzenlangweiligen GästInnen diverser grenzwertiger Homosexuellen-Etablissements unverschämt zu begrabschen und sie planlos zu beschimpfen. Letzteres macht man bitte am Besten gemeinsam mit einer oder mehreren FreundInnen, dann hat das erst die richtige Qualität! Das ist im Übrigen auch sicherer, denn selbst die Homoletten werden anscheinend generell agressiver, reizbarer und humorfreier und verstehen nicht mehr so wirklich, daß strunzenbesoffene Transen per se unantastbar sind, ganz gleich, welche Unverfrorenheiten sie sich herausnehmen, ähnlich wie Totalbekloppte, Propheten, Nonnen, Wirtschaftsführer und Politiker.
Also: Auch jetzt geschieht da durchaus noch viel mehr in meinem lustigen Leben als nur das Beobachten der Weltkrise, worüber ich aber dann halt eher nicht schreibe, zumal ich auch nicht wirklich die echte Rampensau bin, die sich ausgerechnet hier komplett entblößen will und kann und nur noch auf Selbstdarstellung in bester Beleuchtung aus ist. Ein Blog ist ja per se eine hochpersönliche Veranstaltung mit ständiger akuter Peinlichkeitsgefahr, aber man muß dann doch nicht immer gar so weit gehen und sein ganzes Leben hier aufblättern und auswalzen als sei man sonstewer. Ist man nicht. Und das sollte man wissen und herzhaft lachen können darüber.
Eine Freundin wies mich dieser Tage darauf hin, daß meine Schreibe allzu oberlehrerhaft daherkomme und das Persönliche vermissen lasse. Ich dozierte von oben herab, so empfände man das allseits, und ließe die LeserInnen meines Blogs mit dem Gefühl zurück ich hielte sie für gehirnamputiert und mich selbst für besonders oberschlau.
Au Wei! Auf solche Gedanken komme ich gar nicht. Das ist mir derart fern, daß ich mich frage wie ich denn nun bitte diesen Blog so gestalten soll, daß er gefälliger klingt, auch mal andere Dinge darstellt, auch mal persönliches mit einflicht und weniger bierernst daherkommt, ohne mich dabei so zu verbiegen, daß das Zeterviech nicht mehr es selbst ist.
Ich schreibe halt drauflos, was mich umtreibt, mich aufregt und teils wütend macht wie sonstewas, und das oft ohne lang nachzudenken, frei von der Leber weg, spontan. Und ich versuche dabei redlich, meine Daten und Fakten so gut als mir irgend möglich zu verifizieren, nicht die Abschreiberin zu spielen, keinen Schwachsinn weiterzugeben, keine Fehler in den wiedergegebenen Zahlen und den weiteren Zusammenhängen zu veranstalten, kurzum: Ich versuche sehr ernsthaft so seriös als möglich meine Schreibe mit nachvollziehbarem Hintergrund zu unterfüttern, denn ich mag ungern der Oberflächlichkeit geziehen werden und schon am allerwenigsten mag ich selbst das Gefühl haben ich schriebe flotten Dünnschiß ohne Tiefe. Wahrscheinlich ist dieser Hang zur Tiefe, nebtst meiner Neigung zu ellenlangen, mit Schachtelsätzen gespickten, viel zu ausschweifenden Texten ein Problem … man wirkt damit anscheinend sehr flott sehr spaßbremsig in diesen lustigen Zeiten. ich bin schlicht zu ernsthaft und weiß, daß ich so einiges weiß was man nicht unbedingt unter ‘Allgemeinbildung’ einordnet, und bin mir dabei doch sehr im klaren darüber, daß ich wahrscheinlich schlußendlich gar nichts weiß. Was dann offenbar gerne als “die nimmt sich auch selbst viel zu ernst und glaubt sie hat ‘ne Ahnung” mißverstanden und mir dann ja auch gerne mal als arrogante Besserwisserei vorgeworfen wird.
Und zuletzt bleibt dieser Blog hier ja noch immer meine ganz persönliche hobbytransige Sichtweise der Dinge, die kein Mensch sich reinziehen geschweige denn sich zu eigen machen muß. Es ist dies alles schließlich nur eine, zudem recht belanglose, weil ohnehin wenig gelesene Einzelmeinung in einem gigantischen Weltnetz aus verschiedensten Ansichten …
Zumindest ist allein die Auseinandersetzung mit all diesen Dingen eine mehr als spannende Erfahrung, an der das Zeterviech ja nur wachsen kann. Hoffe ich zumindest. Das Leben macht mehr als Spaß, und es wird mit jedem Tag aufregender …
Insofern danke ich für jede Kritik! Und werde weiterhin lauthals herumzetern.