Archive for the 'Queer Berlin' Category

“Dolce Freddo”, …

Dienstag, Mai 5th, 2009

süßer Fred (oder auch ganz simpel: süß und kalt), heißt die Eisdiele in der Maaßenstraße nahe dem Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg, deren Besitzer anscheinend glaubt, er könne es sich erlauben, mitten im Homokiez schwulen- und lesbenfeindlich gegen seine Schwulen und Lesbischen Kunden herumzupöbeln. Soviel schlichtes Gemüt wird in jener Gegend wohl nicht wirklich goutiert, und deshalb gibt es auch viel Getöse und Geschrei um eine Geschichte von dem Herrn des Eises und seinem angeblichen Gepolter, welches er laut Presse und Buschtrommeln mit dem Schutz von Kindern und Migranten rechtfertigt. Wahrscheinlich ist er einfach am falschen Platz und von den phösen Hommos genervt, aber dann sollte er halt auch keine Kohle mit denen verdienen wollen und sich am besten nach Neukölln oder in den hinteren Wedding verziehen mit seinem Laden, da kann er dann seine Rücksichten voll ausleben und da wird dann auch seine Kasse von den schlimmen Homoletten nicht mehr derart anstrengend belästigt. Dinge gibts, da fragt man sich als alte Transe schon …

Edit: Auf Samstag, 09. Mai ist ein “Kiss-Inn” mit Anspruch vor diesem dämlichen Laden angesagt. Nicht, daß ich dahin gehen würde, ausgerechnet in den Nollendorfkiez! Und wenn ich es doch täte, dann nur, um zu sehen, wie meine Leute sich in aller Öffentlichkeit lächerlich machen indem sie mit einer Massenknutscherei versuchen, einen offenbar ohnehin schon schwer homophoben italienischen Eisrüpel zur Einsicht zu bewegen, indem sie ihn noch irrer machen mit wüstem Lippengeschlabber én public vor seinem Etablissement. Ich bin ja für derlei zu altmodisch. Aber bitte, der Mann hat das anscheinend redlich verdient, mit seinem absurden Theater, welches er da veranstaltet hat.

Berlin …

Samstag, Dezember 6th, 2008

war ja durchaus mal die Stadt meiner Sehnsucht. Was habe ich alles unternommen, um endlich hier leben zu können, damals, als die Welt noch in Ordnung war …

Das mit der Stadt der Sehnsucht hat sich in den letzten paar Jahren leider rapide verflüchtigt. Ich mags zuweilen nicht mehr wirklich hier. Ich habe inzwischen viel zu oft schlimmen Stadtkoller und mir ist mehr und mehr arg nach Landflucht. Und ich muß heute mal holprig daherzetern über dieses dreckige arrogante Loch an der polnischen Grenze!

Gehen wir es also an: Besehen wir uns zum Beispiel beiläufig das Wetter in dieser Stadt und beginnen wir, aus aktuellem Anlaß, im Herbst und Winter … Berlin ist, von Mitte, Ende Oktober bis in den späten April hinein (meistens) eine einzige kalt-graue Katastrophe, was das Ekelwetter, den Wind und die Stimmung anbelangt. Man ist als pensionierte, alternde Hobbytranse kaum mit dem ersten Frühstückskaffee fertig wird es schon wieder finster, spätestens um 15:00-15:30 Uhr wird es duster, was jede Erdgeschoßwohnung mit Fenstern nach Norden oder Osten zum dunklen Verlies macht und jede Dachwohnung mit Süd- oder Westfenstern zum absoluten Luxus. Sonnenlicht ist eine absolute Mangelware im Berliner Winter. Man lebt quasi von Anfang November bis Ende Februar im grau-tristen Halbschatten und in der Nacht, was jeglicher Form von schlechter Laune und Depression überaus zuträglich ist. Schnee in dieser Stadt ist, falls überhaupt, dann nur in abgelegenen Bereichen des Tiergartens schön, wenn er denn in ausreichender Menge vorhanden ist und auch liegenbleibt, überall sonst ist er innerhalb kürzester Zeit eine matschige, graue Widerlichkeit, es sei denn, daß der Winter so wie der von 2005 auf 2006 ist, was inzwischen eine Seltenheit darstellt. Damals hatten wir vom 21. Dezember bis zum 23. März eine geschlossene grau-dreckig vereiste Schneedecke, und hätte ich nicht das Glück gehabt im Februar in südlichen Sonnengefilden Abstand von der Berliner Tristesse zu gewinnen, ich wäre in der Winterdepression dieser graugefrorenen Stadt verzweifelt.

Berlin ist zumeist schön im Mai, oder, anders gesagt, es ist schön, wenn der Frühling hier endlich ankommt. Für mindestens eine Woche. Wenn das Wetter mitspielt, was hier nie sicher ist. Manchmal fängt der Frühling sogar schon im April an. Mindestens drei Wochen nachdem meine Mutter mir wieder einmal von ihrem blühenden Garten und der alljährlich so schönen Mandelblüte an der Bergstraße erzählt hat. Manchmal also isset schön hier. Inzwischen aber sind ja die Übergänge zwischen den Jahreszeiten überall in unseren Breiten konsequent am Verschwinden, es geht also hier oft nahtlos von saukalt-eklig-grau in knallheiß-blendend über, was meinem Kreislauf nicht wirklich zusagt. Zumindest ist das hier ein zumeist trockenes Klima, besser jedenfalls als im ewig von einer Winters naßkalten, Sommers schwülheißen Dunstglocke überwölbten heimatlichen Rheintal, wo mein Kreislauf sich auch nicht mehr so wirklich wohl fühlt …

Im Berliner Frühling, dem Kurzen, wenn die Blätter überall so saftig-grün sind und die Natur fast schon obszön in ihrer Pracht, da kann es hier wirklich schön sein. Dann ein Ausflug durch den Grunewald an der Havel entlang zum Bismarckturm und weiter nach Wannsee und über die Glienicker Brücke nach Potsdam und dort eine der herrlichen Torten in der Maison des Chocolats im Holländischen Viertel genießen, das hat was.

Und kaum ist die Sonne raus, ist die Stadt rappelvoll, an jeder Ecke ein Straßencafé, auch das hat was. Wenn nicht überall nerviges, blasses, ungepflegtes Volk unterwegs ist und einem schon mit der oft recht preiswerten Art der Kleidung jede Laune verdirbt. Und ich spreche hier nicht vom Wert der Klamotten, sondern vom sichtbar absenten Geschmack der Träger derselben. Der Sommer ist dann meistens bald zu heiß, wenn auch selten schwül, dennoch zu oft verregnet und man sieht allzu viel nackte Haut, die sich besser verhüllt gehalten hätte, ab Juni jagt eine schlimme und zu betäubend laute Massenveranstaltung die nächste und raubt einem jeden Glauben an eine Zukunft der Zivilisation, spätestens ab Juli sind die Bäume graugrün staubig, August ist eh schlimm in der Stadt und dann ist auch schon wieder Herbst und damit bald Winter.

Aber es kann schon durchaus mal schön sein heir, wenn das Wetter mitspielt. Zumindest in den richtigen Ecken. Mit dem richtigen Publikum rundum. Und das, und die schönen Ecken, werden von Jahr zu Jahr seltener.

Der Prenzlauer Berg ist ja dank des vorwiegend schwäbischen westdeutschen Zuzugs selbstredend ohnehin nicht mehr zu ertragen. Eine einzige Ansammlung von “hippem” Getue und den absurdesten Läden mit noch absurderen Waren, die kein Mensch braucht. Ich z.B. liebe mein iPhone ja sehr, aber ich bin durchaus hobby-snobistisches Zeterviech genug um es nicht besonders zu schätzen, wenn jeder gehirnamputierte, anglisierende Werbedepp im Café um mich herum auch mit derlei hübschem Schnickschnack unterwegs ist. Die kleinen schönen Dinge des Lebens werden schnell sehr beliebig da oben, in diesem “In”-Bezirk der Besserverdiener, der doch nichts weiter als ein peinliches Ghetto schickster, biederster Öko-Banalität geworden ist. Und erst das ganze tussige Weiberpack aus der ach so gebildeten, besserverdienenden Medienfuzzie- und Akademikerschicht, die da ihre Kinderwagen mit den verwöhnten kreischenden rücksichtslosen und nie sinnvoll erzogenen Bälgern wie Atomwaffen vor sich herschieben und einen mit ihrem dämlichen, antiautoritären, elysischen grünen Gemuttere entnerven! Gut, daß es “Erziehungsratgebersendungen” für kompletto unfähige, aber hippe  Neu-Mittelstandseltern bei den Privatsendern gibt! Nee, also Prenzlberg geht gar nicht.

Dann Mitte, ein teils pseudo-neureicher “wir-wärn-so-gern-wer” -Bezirk ohne besonderes Flair, teils eine ernüchternde Erinnerung an die böse alte DDR. Wohnt da zwischen Brandenburger Tor und Karl-Marx-Allee überhaupt noch wer außer dem besserem Rattenpack Regierungs- und Diplomatenpack während der Woche und den ehemaligen besseren SED-Kadern in ihren Betonplattenburgen, irgendwo zwischen den zugigen Autobahnen und dem Rückbau an der getraudenstraße und der Leipziger, dem grottenhäßlichen Alex, dem noch häßlicheren Schloßplatz, dem Kulissenumstellten Leipziger Platz, dem Ufo, welches die Gegend um den Potsdamer Platz ist und den schlimmen Linden, die derzeit wieder in ihre leuchtenden Stützstrümpfe verpackt sind, was der Bevölkerung und mehr noch, den Gästen der Stadt, unverschämterweise, als besonders gelungene Weihnachtsbeleuchtung peinlich vorgeführt wird?! Könnte bitte irgendwer den Menschen, der auf diese abartig häßliche Beleuchtungsidee gekommen ist, dazu verdonnern, Abend für Abend mit häßlichen Lichtschlangen umwickelt von den Beinen bis zu den Armen sinnlos auf der zugigen Kreuzung an der Friedrichstraße zu stehen und dabei den Versuch zu machen, nach irgend etwas auszusehen?! Reden wir nicht weiter drüber. Berlin hat keinerlei Stil, hatte es wohl noch nie, schon gar nicht in Puncto Weihnachten und Stimmung diesbezüglich.

Nun, vielleicht doch ein klein wenig, am Kudamm, auf dem Tauentzien, aber selbst da wird jeder gutgemeinte Ansatz von dem dortigen Weihnachtsmarkt um den kriegserinnerungsgemarterten Stumpf der Gedächtniskirche und den Kirchenbausünden der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts sofort mit Wucht zerstört. Noch ein bißchen weniger Flair und man könnte meinen man stünde neben der Raffinerie in Schwedt an der Oder und versuchte, mit übermäßigem Glühweinkonsum (Marke Aldi, und dann für drei Steine die Tasse verkauft) sich ein wenig Stimmung herbeizusaufen. Schlimmer als das ist nur noch der Weihnachtsrummel mit Riesenrad und Achterbahn auf dem Schloßplatz, bevölkert mit meist niveaulosem, zudem allzu oft betrunkenem Volk aus den, wie nennt man das heute? Den unteren Schichten des Prekariats.

Kreuzberg nun ist längst in der Öko-Biedermeierei angekommen, ähnlich langweilig wie der Prenzlberg und auch mit denselben faden Stereotypen erfüllt, von sehr wenigen Ausnahmeecken mal abgesehen, und die sind viel zu oft mit nervigen Schwuchteln, ungepflegten Alternativis und anderweitig gescheiterten Existenzen überfüllt. Dazu dann die neu aufgestockte Dachwohnung am Mehringdamm mit Sonnenterasse und Kaminanschlußmöglichkeit für 1800€ kalt, und obenauf die graubraune Bio-Knackwurst in den letzthin aufgemotzten Marheineke-Markthallen am schicken Bergmann-Kiez für 5,30€ das Stück, na Mahlzeit! Kreuzberg wird modisch …

Und Neukölln, Friedrichshain und sowieso alles östlich von Alex oder Südstern geht überhaupt gar nicht! Wenn ich Elend sehen will, schlechtesten bis gar keinen Geschmack, widerliche Klamotten, völlige Absenz von Stil und Schönheit ertragen oder eine Reise nach Beirut antreten wollte, vielleicht, aber, nein, nicht meine Welt. Und die aus dem zu teuren Prenzlauer Berg nach dem Friedelhain verzogene studentische Hobby-Avantgarde ist für meinen Geschmack definitiv viel zu schlaksig, hornbebrillt und vollbebartet. Im Übrigen ist das Berghain vielleicht noch für hartgesottene Drogenopfer und dämliche Touristen, die anscheinend beide glauben, ganz auf der Höhe der Zeit und der “musikalischen” Aktualität zu sein ein lohnendes Ziel, aber wirklich interessant war, vielleicht, grade noch das Ostgut, damals … und über die gräßliche o2-Arena und das ganze häßliche Umfeld verliere ich weiters kein Wort.

Der Wedding: Grauenvoll, ein zweites, bald noch schlimmeres Neukölln. Kein weiterer Kommentar auch zu dieser unsäglichen Gegend!

Der langweilige Westen: Ordinaire und aufdringliche moldavische Nutten an der Kurfürstenstraße bis hin zum Nolli, dortselbst heruntergekommene Schwulenklitschen mit Fickkellern jenseitigster Güte, Schicki-Micki-Getue am Winterfeldplatz, Wilmersdorf und Charlottenburg nicht mehr der Rede wert, biederste Bürgerlichkeit in Tempelhof und Steglitz, das reiche Lumpenzeug im Grunewald, Dahlem und drumherum, und hinter der Glienicker Brücke im Nachbarbundesland das Gleiche, nur Teurer, und zuletzt Spandau, zum Gähnen und traurig sterben, also was?!

Und überall in dieser Stadt Einkauszentren, neudeutsch “Malls” oder “Shopping-Center” genannt, an architektonischer und anderweitiger Geschmacksfreiheit nicht mehr zu unterbieten, und überall dort drin dieselben bekannten Ladenketten und langweiligen Allerweltswaren.

Und moi mittendrin in diesem grauen Häusermeer, in einer absurd grünen Oase, die mit Berlin etwa soviel zu tun hat wie das neue Regierungsviertel, letzteres ein Raumschifftraum einer verdorbenen Regierung in einer sterbenden Stadt, welche immer noch felsenfest überzeugt ist, ganz toll und grandios zu sein und sowieso Weltklasse.

Ach je, arme Stadt, dreckige Stadt, heruntergekommenes Loch im Osten, Hartz-IV-Kapitale, Armenhaus der Republik, so viele Versucher hier, moi eingeschlossen, wir alle dachten damals mal, es könnte hier was draus werden, war aber nich’, wir sind alle irgendwie nüscht jeworden. Und die Jungschen heute, wie wir aus den Käffern und Dörfern der Provinz, genauso geblendet von einer Chimäre aus verstaubtem Mythos und hochfliegenden Zukunftsphantastereien, nur halt von Heute, dabei ist die Realiät schlicht die, daß die Stadt kulturell und finanziell erledigt ist, und das wohl schon seit spätestens 1941 …

Ja, klar, es gibt hier die Staatsoper, das Konzerthaus, die Museumsinsel, die Gärten der Welt, Manufaktum, das KaDeWe, die Königliche Gartenanstalt, Dussmann, Globetrotter, esoterische Buchantiquariate, das Kohdo mit den besten Räucherstäbchen des Planeten, Coledampfs, wo man noch gescheite Küchenutensilien findet, und massenhaft Flohmärkte mit bezauberndem überteuertem Bröddel … und weiter?! Es gibt noch das Internet und dort noch die Möglichkeit zum Bestellen weitaus mehr schöner Dinge für teuer Geld, die ich mir nicht leisten kann …

Dieser Tage versucht, spätabend nach 23:00 Uhr noch einen geöffneten Supermarkt zu finden, weil uns so nach was Leckerem war. Es war Arbeit und einige Fahrerei vonnöten, aber am Nollendorfplatz hatten wir schließlich “Glück”. Zehn Minuten vor Schluß wurden da schon die Schutzrollos vor die Kühlregale gezogen, studentische Hilfskräfte schlurften entnervt durch den Laden und reagierten unwirsch auf die Frage nach dem Standort des französischen Kräutersenfs. Die Kassiererin war auch sichtlich weitaus mehr an ihrem Feierabend als an der Kundschaft interessiert. Freundlichkeit? Pustekuchen! Eher: Vorsicht! Kunde droht mit Umsatz! Nun ja, mit dieser Art und Weise gewinnt man nicht wirklich den Metropolenpreis.

Ähnliches auf dem hobby-elitären “was-sind-wir-so-schick-in-Mitte” -Weihnachtsmarkt mit Eintritt (wird ja alles gespendet für nen guten Zweck!) auf dem Gendarmenmarkt: Kurz vor Ende, 21:55 Uhr (Weltstadt Berlin!), überall noch Buden offen, auf die Schnelle noch versucht, durchschnittlichen Schichtnougat und Amaretto-Marzipan in Seifenanmutung für viel zu viel Kohle zu erstehen. Madamm Verkäuferin-Hilfskraft hatte aber keinen Bock mehr, hievte ignorant die Holzplatten für die Nacht vor den Stand und die überraschten Gesichter der anwesenden (mehreren) potentiellen Käufergrüppchen und schnauzte, als ich fragte ob ich denn bezahlen dürfe, ‘rum von wegen sie hätte jetzt Feierabend und man solle gefälligst zu ner normalen Uhrzeit ankommen “und nich fünf vor Schluß”. Nicht nur wir ließen den 08/15-Süßkram wieder in die lieblose Auslage fallen … ich würde anhand der zurückpurzelnden Ware diverser Leute sagen sie hat locker an die Fünfzig, wenn nicht mehr, Euro Schlußumsatz verloren mit ihrer unfreundlichen, verbiesterten Visage und dem rotzfrechen Gemaule.

Dann lieber aufm Kaff und Geschäfte in der nächsten Kleinstadt, die halt um 20:00 Uhr schließen, wenn nicht noch früher. Muß man sich halt umstellen. Ich habe jedenfalls von dieser ganzen miesepetrigen, unfreundlichen, teils frechen Art, wie man als Kunde in den meisten Läden dieser Stadt behandelt wird, die Schnauze gestrichen voll. Selbst bei Dussmann ist das Verkaufspersonal spätestens nach 23:00 Uhr meist mehr als gegessen, genervt und zeigt das auch unverholen bis zur Unverschämtheit, wie ich letzthin erleben durfte.

Und ich bin nicht so derart blöde, nicht zu wissen, daß die meisten Menschen, die so spät noch arbeiten, dies zumeist aus wirtschaftlichen Zwängen und beileibe nicht aus Lust und Laune tun. Und genau das ist eines der Grundübel dieser Zeit, die meisten Menschen hier hassen anscheinend ihre Arbeit zutiefst, weil sie keinerlei Freude mehr daran haben, sondern gezwungen sind halt irgend etwas zu machen um finanziell über die Runden zu kommen. Im Verkauf bemerkt man das als Kunde natürlich besonders deutlich, aber auch anderswo ist die steigende Frustration über die Umstände mehr als merklich, und ja auch nicht erst seit gestern. Aber ich schweife ab, das ist ein ganz anderes Thema …

Nein, ich glaube, ich mag Berlin grad nicht mehr so. Es wird hier immer anstrengender, immer weniger inspirierend und es ist wahrlich nicht mehr schön hier. U- oder S-Bahn zu fahren grenzt zuweilen an einen unfreiwilligen Besuch in der psychiatrischen Anstalt, dann der Dreck, die Graffitis, Scratchings, Ausdruck anscheinend völlig verkommener Menschen, denen es scheißegal ist, daß der Firnis der Zivilisation extrem dünn und allzu leicht vergänglich ist. Meine neuen Nachbarn machen unentwegt Lärm und trampeln wie die Elephanten am Tag und vor allem in der Nacht, wenn ich, auch eine Nachtelse, lieber meine Ruhe habe beim Lesen und bei meinen digitalen Wanderungen durchs Weltnetz, und wenn man freundlich um etwas Rücksicht bittet wird einem sofort in Migrantensprech schlimmster Provenienz gedroht. Ich hab es sehr satt in dieser Stadt.

Ich werde wohl alt und spießig. Ich finde es nicht mehr wirklich apart, mich in einem bitter heruntergekommenen Umfeld besonders angesagt zu fühlen. Ich habs gehabt, ich bin die Mühle leid. Berlin langweilt mich und geht mir gewaltig auf die Ketten. Es geschieht nichts neues mehr, ich habe das Gefühl als stünde ich still und bewegte mich mangels Inspiration nicht mehr vom Fleck.

Veränderung steht vor der Tür …

Ich träume von einem kleinen bezahlbaren Domizil mit schlichtem Garten für mich und meinen Gatten, weit weg von der ganzen Schäbigkeit dieser Stadt. Ich lege von Tag zu Tag mehr wert auf so altmodische und banale Dinge wie bleibende Werte und gutes Benehmen, auf zurückhaltenden Stil und einfache Klasse, auf Freundlichkeit, eine gewisse Bildung und vielleicht sogar Niveau, und das meine ich in keiner Weise elitär. Leider ist nichts davon hier besonders leicht zu finden, und wenn doch einmal, dann erst nach mühevoller entnervender Suche. Kunst ist hier so oft nur Wunst, nur Wollen, selten Können. Und die Leute sind so derart oft grottenschlecht gekleidet, ganz unbesehen ihrer finanziellen Verhältnisse! Man gehe einmal im Sommer vor einer Opernaufführung an der Staatsoper vorbei und besehe sich die teils unterirdische Gewandung des dort meist reichlich vorhandenen, vor der Pforte wartend herumstehenden Publikums. Ich mein, man kann doch auch mit geringen Mitteln zumindest versuchen, ein wenig Schönheit und Stil in die triste Welt zu bringen, oder?!

Stadtflucht? Kulissenwechsel? Von einem Moloch in den Nächsten?

Leider bin ich für München ja bei weitem zu arm und zudem wohl nicht fein genug nach zu vielen Jahren Berlin. Obwohl Bayern mich ja schon sehr reizen würde. Und München ja auch gar nicht Bayern ist. Ich mag die Berge weitaus mehr als das platte Land, und zudem stamme ich aus dem Süden der Republik und habe da ohnehin eine sprachliche Affinität, und der üppige Barock ist mir weitaus näher als die triste Backsteingotik. Dank dem Föhn gibt es da auch weitaus mehr Tage mit klarem Himmel als hier. Stuttgart als schwäbisches Hauptdorf kommt für mich als treue alte Badnerin selbstverständlich nicht in Frage, zumal es in einem fürchterlichen Talkessel liegt und ich den Dialekt und die Mentalität verabscheue. Köln geht überhaupt nicht, weil ich den rheinischen Frohsinn nicht mal im Koma ertragen würde und auch dort die Sprachform mehr als grenzwertig finde. Hamburg ist mir zu sehr kalter Fisch auf Marmorplatte, Pfeffersäcke waren meine Sache noch nie, und die Stadt liegt für die kommenden Dinge allzu nah am Meer für meinen Geschmack und ist obendrein noch häßlicher als Berlin. Und Frankfurt am Main nun kommt niemals in Frage, gar zu viele Hochhausmonster untergehender Banken, noch abstoßender kann keine Stadt sein, mit Ausnahme vielleicht von Ludwigshafen am Rhein, aber das ist auch die mit Abstand häßlichste Stadt südlich des Ruhrgebiets, mindestens …

Also doch Landflucht. Vielleicht sollte ich aufs Kaff ziehen, mich bescheiden und an der Landschaft erfreuen, solange das noch geht und meine weiteren Vorbereitungen für den Weltenwandel dort in entspannterer Atmosphäre und ein wenig sicherer vor den Schrecken, die auf uns zurollen, gemeinsam mit meinem Mann fortsetzen. Sicherer und ruhiger zumindest als in einer Stadt mit dreieinhalb Millionen Menschen, davon nicht wenige Irre. Da setze ich mich lieber damit auseinander, daß die Nachbarn mich und meinen Gatten als Raumschiffe von einem anderen Stern betrachten und dumm, schlimmstenfalls bös’ reden. DSL gibts auf dem Land durchaus ja auch schon inzwischen, und ne große Satellitenschüssel mit Dual-Digital-Empfänger für die Glotze hab ich noch im Keller liegen. Ach, mir ist nach privat und ruhig … zetern kann ich auch von anderswoher, Themen gibbet auch abseits der Stadt genuch.

Und einmal im Jahr kann ich ja dann für eine Woche nach Berlin kommen und die Stadt vielleicht wieder genießen, in ihrer illusionären, verderbten, abgeschmackten Zügellosigkeit. Wenn nicht bis dahin längst die Krise voll zugeschlagen hat und der Mob hier auf den Straßen marodiert, die Regierung nach Bonn zurückgewichen ist und die Leute sich für einen Packen billiges Brot vor den leeren Supermärkten in den Schlangen gegenseitig totschlagen …

Zuletzt ein Nachtrag, einige Tage verspätet:

Selbst die Hinterhoftransen im SchwuZ sind ein langweiliger Haufen selbstverliebter Dümmlichkeit geworden, wer hätte das je damals, in den goldenen Zeiten von Melitta und Pepsi auch nur zu denken gewagt?! Ich hatte gerade letzten Sonntag in diesem inzwischen ja leider zu Tode kommerzialisierten Kellergewerbe das zweifelhafte Vergnügen, die abgehalfterten Figuren einer fernen Vergangenheit wie auferstandene Nachtmahre einer fernen Jugend sehen zu dürfen, ich hätte es besser lassen sollen, mir diese peinliche Selbstbeweihräucherung einer belanglosen und zudem billigen Nachtwelt anzutun, und konsequenterweise ging ich auch, zu Beginn der ersten Pause. Mehr von diesem völlig niveaulosen Schund ohne jeden Hintergrund hätte ich beim besten Willen nicht ertragen, verzeih, Frau Poppe, aber selbst zu Deinem Geburtstag, und selbst im Bewußtsein daß es eine Art Retrospektive vergangener Glorie sein sollte habe ich da keinerlei Mitgefühl mehr für. Wer wird bitte irgendwann dafür sorgen, diese grottenpeinliche Phonomimik siebtklassiger Laiendarsteller auszumerzen, wer wird je wieder kommen und zeigen, daß die politische Schangelstranse mit der messerscharfen Zunge noch existiert, etwas kann und taugt und wert ist, auf eine Bühne gelassen zu werden?! Und am Ende sogar noch, Oh Wunder, selbst zu singen in der Lage ist ohne das gemarterte Publikum der Ohrenkrebsgefahr auszusetzen?! Warten wir auf die weitere Entwicklung der Wirtschaftskrise, vielleicht, wenn die ganzen schlecht angemalten, stutenbissigen Zickenkriegerinnen, die sich gegenseitig höchst selten die zerlumpten Fummel gönnen und lieber ihre Zeit mit nebensächlicher Wichtigtuerei und teils bösartigsten Intrigen und meist selten blödem Geschwätz zubringen, einmal aufzuwachen gezwungen sind aus ihren absurden Träumchen, wird wieder etwas Leben in diesen heruntergekommenen Haufen nutzloser Billig-Make-Up-Verschwender geraten. Die Hoffnung stirbt bekanntermaßen ja zuletzt, und wer weiß, vielleicht darf ich ja nochmal, irgendwann, etwas auf jener lächerlichen Hinterhofbühne am Mehringdamm erleben, was mich wirklich dazu bringt, gegenüber den darbringenden “Künstlern” zumindest Achtung zu empfinden. Aber so wie das hier seit Jahren den Bach runter geht … nun ja, schaun ma mal.

Es gibt da ja diesen netten Laden auf der anderen Straßenseite des Mehringdamm, der mir durchaus ein wenig Hoffnung macht …

Eine der wenigen rühmlichen Ausnahmen von der Schlampenregel sei hier noch erwähnt, und zwar namentlich, was ich selten tue: TdG, die ich sehr schätze, und die zwar beim besten Willen weder melodisch singen kann noch durch besondere Schönheit geschweige denn durch bewegende Grazie auf der Bühne besticht hat etwas, was den meisten ihrer strunzenlangweiligen, großmäuligen und oft allzu ordinair-ungehobelten Nachfolgerinnen der letzten zwei Jahrzehnte auf jener Bühne im siebenten Hinterhofkeller schmählich fehlt: Wirkliche Klasse, echte Freundlichkeit und ein funktionierendes, nicht völlig von Drogen und Alkohol betäubtes  Gehirn. Man kann ja über die Gutste sagen, was man will, aber ihre Kunst besticht durchaus, und zwar dadurch, daß sie vollkommen talentfrei in der Lage ist, ein Publikum zu fesseln, was in dieser Stadt zwar grundsätzlich nichts heißen will, bei ihr aber etwas Besonderes ist, da echt und gekonnt und durchaus mit Tiefe versehen. Denn in Berlin gilt ja ansonsten leider: Tunte krümme sich in Kreuzberg oder diversen anderen für derlei Darbietungsform wohlbekannte Ecken dieser Stadt möglichst halbnackend, versoffen, zugedrogt und wüst bemalt, mit schlimmem Dutt uffm Kopp auf irgendeine Bühne und scheiße, mit großer Geste, zu Musik von Mina oder Alexandra, jaulend gekonnte Phonomimik vorschützend, eine besonders fette, laut stinkende Wurst und der frenetische Applaus des zumeist ebenso versoffenen und bedröhnten, zudem fast immer jeglichem noch so minimalen Anspruch abholden Publikums ist ihr zweifellos absolut sicher!. Die TdG aber, deutlich sichtbar in die Jahre gekommen, vermag noch immer in ihrer eigenwilligen Art zu überzeugen und ihr Publikum zu gewinnen, zumal inzwischen im Kleinen, im Feinen, mit ihrer Hände gekonnter Arbeit nämlich – Ihre zauberhaften Dioramen sind es, die einem zeigen, daß der vielgeschmähte rote Gockel ausm Wedding sehr wohl viel mehr künstlerisch drauf hat als die meisten der ehedem und aktuell umhertransenden angemalten Isebells, die glauben sie wären die Näbel ihrer unwichtigen kleinen nächtlichen Welten. Ich kann die intensive Betrachtung der liebevoll gestalteten, höchst frivolen Schaukästen von TdG nur wärmstens empfehlen, es macht wirklich Freude und ist schon allein nur wegen der sichtbar phantasievollen und aufwendigen Handarbeit ein Genuß und eine Freude für die Sinne, zumal in einer Zeit, in der man von allen Seiten in jeglich denkbarer Form und Art umgeben ist von billigstem Massenschund mit erhöhtem Augenkrebspotential. TdG’s Werke sind derzeit bei Ajpnia in der Eisenacher Straße in Schöneberg zu sehen und lohnen durchaus den Besuch einer der seltsamsten und absurdesten homosexuellen Fickveranstaltungen der Stadt. Wirklich! Ich kann ja nix dafür, daß T.’s kleine Kostbarkeiten derzeit ausgerechnet nur da zu sehen sind. Und man muß dort ja auch keinen Geschlechtsakt haben um hinein zu dürfen … man kann sich da auch einfach nackend oder auch halb nackend hinsetzen und die Dioramen betrachten (und die zuweilen, manchmal, sogar ansehnlichen anwesenden Herren) bei einem Glaserl Wein mit Bekannten und Freunden. Unschönen Sexualverkehr auf dem Sofa nebenan kann man übrigens vermittels der Vertiefung in die Geheimnisse der T.’schen Schaukästen problemlos ignorieren, ich sage das aus Erfahrung …

Wahrscheinlich werde ich jetzt in der Luft zerrissen von den Damen, die ich nicht erwähnte oder von denjenen, die sich hier allzu gut beschrieben finden. Sei’s drum, ich bin ohnehin nicht das, was man guten Gewissens “beliebt” nennen wollte, und bin zudem so mancher fragwürdigen Auswüchse dieser grandiosen Weltmetropole mehr als leid … wenn ich in dieser abgelegenen Ecke der Republik eines wirklich tiefgreifend gelernt habe, dann die Fahigkeit zur totalen Ignoranz gegenüber jeglicher Meinung belangloser Tunten in Bezug auf moi …

Fragen und Selbstbetrachtungen …

Dienstag, Oktober 28th, 2008

Die Frage lautet: Macht es überhaupt Sinn, diesen Blog zu führen, sich öffentlich zu äußern über die Dinge, die einen umtreiben, und, wenn es derzeit insbesondere eine bestimmte Reihe Zusammenhänge ist, die einen überwiegend bewegt und über die man dann auch schreibt. Macht es also Sinn, Gefahr zu laufen als hysterische Dauerwiederholerin von Themen, die kein Mensch mehr hören will dargestellt, ja fast beschimpft zu werden? Ist es so, daß man als BloggerIn bitte nicht andauernd “den ewig gleichen Sermon” von sich geben soll, sondern gefällig über dies und das und jenes schreiben soll, um nicht die Unbill von Generalkritik erleben zu müssen, einer Kritik, die ja an dem tatsächlichen, tieferen Inhalt der Schreibe gänzlich vorbeigeht?

Ist es in Zeiten wie diesen eher angesagt, nicht zu laut und zu fortwährend nur ein Thema vordringlich zu beackern, um nur ja niemanden auf die werten (aufgrund der trotz aller Augenwischerei jedem deutlichen Bedrohlichkeit der Lage ängstlich bis panischen) Nerven zu fallen mit Dingen, die ohnehin schon schlimm genug und zudem ja “nicht zu ändern” (ich kotz innerlich bei diesen Worten!) sind? Ist weniger intensive und andauernde Auseinandersetzung mit dem gerade vor aller Augen stattfindenden Totalkollaps des Weltfinanzsystems und dem daraus sich fast zwangsläufig zu ergeben scheinenden Totalkollaps all dessen, was wir systemisch, also hier politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich für gegeben und gültig erachten nicht opportun? Ist die ‘Gelassenheit’, deren Gewinnung und Pflege mir dieser Tage angesichts meiner Schreibe dringend angemahnt wurde, eine Umschreibung für “bloß ja nicht zu intensiv auf die aktuelle Lage eingehen, es könnte einen vielleicht selbst betreffen”?!

Ist man, wenn man versucht schriftlich Dinge darzustellen und aufzuarbeiten, die einen sehr bewegen und umtreiben, teilweise in eine abgründige Wut bis hin zur Verzweiflung treiben dann, bevor man sichs versieht und ohne es zu wollen automatisch in der Rolle der Kassandra gefangen?

Ist man die Hobby-Prophetin und Vorsängerin des Untergangs-Mantras, wenn man den Schwanengesang des Westens auf seine kleine Weise auseinandernimmt und darstellt, dieweil eben dieser Untergang und Abgesang allseits geschieht und man doch eigentlich nurmehr kommentieren kann, was in atemberaubender Geschwindigkeit an Schwachsinn und Perfidie auf diesem Planeten abläuft, den man ja durchaus sehr liebt, wie man auch seine Bewohner sehr liebt, obwohl man Letztere gerne zuweilen aus Verzweiflung mit der Peitsche in die Erkenntnis triebe, die man ja doch selbst oft gar noch nicht besitzt, geschweige denn lebt?!

Ich bin ja eine durchgedrehte, ausdrücklich spirituell orientierte Hobbytranse mit Intensivthemen in Intensivzeiten. Schon immer so gewesen. Steinalte, schlimm bekloppte, in diese Welt verliebte Seele mit entnervendem Hang zur ungebetenen verbalen oder schriftlichen Äußerung. Oder sowas in der Art … wei wei …

Von August bis Dezember 1989 hing ich nur noch vor der Glotze oder direkt in Berlin und an der Mauer. Weltnetz war damals ja noch nicht. Ich bin froh, daß ich die Dinge direkt erleben konnte, denn wenn ich heute auf Bücher angewiesen wäre, um mir ein Bild dieser Zeit zu machen, dann gute Nacht! Bei dem oft ungeheuren bis skandalösen Blödsinn, der da heutzutage über diese Zeit geschrieben wird …

Das heißt nun keineswegs, daß mein Leben in der jeweiligen intensiven Auseinandersetzung mit einem Thema nur noch um eben dieses kreist. Dieweil ich meine Tage 1989 damit verbrachte, ähnlich wie derzeit, alles, wie eine Staubsaugerin auf Speed, einzusaugen, was nur irgend an Information und Erleben des Themas, damals also “Mauerfall” nebst sämtlicher damit Zusammenhängender Bereiche verfügbar war, hatte ich nebenbei z.B. einen nahezu perfekten Liebhaber aus Magdeburg aufgetan, mit dem ich mehr als Spaß hatte und an den ich heute noch gerne denke. Liebe Zeit, der Mann hatte Rythmus! Zudem gabs da noch das äußerst wilde Leben in Westberlin, auch das ging trotz Intensivthema keineswegs an mir vorbei. Ich stand nicht wochenlang 24 Stunden am Tag fröstelnd in der Scheißkälte am Brandenburger Tor oder am Potsdamer Platz und anderswo und spielte Mauerspechtin im Novembernebel …

Und ebensowenig sitze ich heute 24 Stunden am Tag nur vor der Glotze und meiner Apfelrechnerin, bekomme vierckige Augen, hysterischen Anfall und dreh durch angesichts dessen, was sich da an möglichem Abgrund für die Welt auftut … ich hab ja ‘ganz nebenbei’ auch noch nen grandiosen Kerl, der meine Zeit schön in Anspruch nimmt, was mir sehr gefällt (…), zudem geh ich sogar aus, wenn ich in letzter Zeit auch eher seltener unterwegs war (das fortgeschrittene Alter, die faule Bequemlichkeit, die öde Szene, das Rauchverbot usw.) und mich viel zu lange nicht mehr so richtig wüst besoffen habe um dann, in diesem herrlich berauschten Zustand die strunzenlangweiligen GästInnen diverser grenzwertiger Homosexuellen-Etablissements unverschämt zu begrabschen und sie planlos zu beschimpfen. Letzteres macht man bitte am Besten gemeinsam mit einer oder mehreren FreundInnen, dann hat das erst die richtige Qualität! Das ist im Übrigen auch sicherer, denn selbst die Homoletten werden anscheinend generell agressiver, reizbarer und humorfreier und verstehen nicht mehr so wirklich, daß strunzenbesoffene Transen per se unantastbar sind, ganz gleich, welche Unverfrorenheiten sie sich herausnehmen, ähnlich wie Totalbekloppte, Propheten, Nonnen, Wirtschaftsführer und Politiker.

Also: Auch jetzt geschieht da durchaus noch viel mehr in meinem lustigen Leben als nur das Beobachten der Weltkrise, worüber ich aber dann halt eher nicht schreibe, zumal ich auch nicht wirklich die echte Rampensau bin, die sich ausgerechnet hier komplett entblößen will und kann und nur noch auf Selbstdarstellung in bester Beleuchtung aus ist. Ein Blog ist ja per se eine hochpersönliche Veranstaltung mit ständiger akuter Peinlichkeitsgefahr, aber man muß dann doch nicht immer gar so weit gehen und sein ganzes Leben hier aufblättern und auswalzen als sei man sonstewer. Ist man nicht. Und das sollte man wissen und herzhaft lachen können darüber.

Eine Freundin wies mich dieser Tage darauf hin, daß meine Schreibe allzu oberlehrerhaft daherkomme und das Persönliche vermissen lasse. Ich dozierte von oben herab, so empfände man das allseits, und ließe die LeserInnen meines Blogs mit dem Gefühl zurück ich hielte sie für gehirnamputiert und mich selbst für besonders oberschlau.

Au Wei! Auf solche Gedanken komme ich gar nicht. Das ist mir derart fern, daß ich mich frage wie ich denn nun bitte diesen Blog so gestalten soll, daß er gefälliger klingt, auch mal andere Dinge darstellt, auch mal persönliches mit einflicht und weniger bierernst daherkommt, ohne mich dabei so zu verbiegen, daß das Zeterviech nicht mehr es selbst ist.

Ich schreibe halt drauflos, was mich umtreibt, mich aufregt und teils wütend macht wie sonstewas, und das oft ohne lang nachzudenken, frei von der Leber weg, spontan. Und ich versuche dabei redlich, meine Daten und Fakten so gut als mir irgend möglich zu verifizieren, nicht die Abschreiberin zu spielen, keinen Schwachsinn weiterzugeben, keine Fehler in den wiedergegebenen Zahlen und den weiteren Zusammenhängen zu veranstalten, kurzum: Ich versuche sehr ernsthaft so seriös als möglich meine Schreibe mit nachvollziehbarem Hintergrund zu unterfüttern, denn ich mag ungern der Oberflächlichkeit geziehen werden und schon am allerwenigsten mag ich selbst das Gefühl haben ich schriebe flotten Dünnschiß ohne Tiefe. Wahrscheinlich ist dieser Hang zur Tiefe, nebtst meiner Neigung zu ellenlangen, mit Schachtelsätzen gespickten, viel zu ausschweifenden Texten ein Problem … man wirkt damit anscheinend sehr flott sehr spaßbremsig in diesen lustigen Zeiten. ich bin schlicht zu ernsthaft und weiß, daß ich so einiges weiß was man nicht unbedingt unter ‘Allgemeinbildung’ einordnet, und bin mir dabei doch sehr im klaren darüber, daß ich wahrscheinlich schlußendlich gar nichts weiß. Was dann offenbar gerne als “die nimmt sich auch selbst viel zu ernst und glaubt sie hat ‘ne Ahnung” mißverstanden und mir dann ja auch gerne mal als arrogante Besserwisserei vorgeworfen wird.

Und zuletzt bleibt dieser Blog hier ja noch immer meine ganz persönliche hobbytransige Sichtweise der Dinge, die kein Mensch sich reinziehen geschweige denn sich zu eigen machen muß. Es ist dies alles schließlich nur eine, zudem recht belanglose, weil ohnehin wenig gelesene Einzelmeinung in einem gigantischen Weltnetz aus verschiedensten Ansichten …

Zumindest ist allein die Auseinandersetzung mit all diesen Dingen eine mehr als spannende Erfahrung, an der das Zeterviech ja nur wachsen kann. Hoffe ich zumindest. Das Leben macht mehr als Spaß, und es wird mit jedem Tag aufregender …

Insofern danke ich für jede Kritik! Und werde weiterhin lauthals herumzetern.

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