Archive for the 'Och Nee!' Category

Der Rücktritt …

Mittwoch, Februar 24th, 2010

der Frau Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland und Landesbischöfin von Hannover ist heute in aller Munde und wird doch tatsächlich fast als ehrenhafte Tat verbrämt.

Als ich aus der Kirche austrat, kurz nach der Konfirmation, da tat ich das in erster Linie deshalb, weil ich schon in jenem zarten Alter nicht länger willens war, mir von dieser Organsiation sagen zu lassen daß ich ein sündiges Stück Abschaum auf dem direkten Wege in die Hölle sei, wie das damals noch galt. Inzwischen ist man diesbezüglich ja anscheinend etwas näher an die Realität herangerückt, wenn auch bei weitem noch lange nicht in ebendieser angekommen. Insofern bin ich nach wie vor der Meinung, daß diese wie auch sämtliche anderen dergestalten Organisationen, gemeinhin Religionen” bzw. “Religionsgemeinschaften” genannt, eigentlich längst hätten aller, aber auch wirklich aller Vorteile hätten entledigt werden müssen, deren sie nach wie vor in diesem Lande teilhaftig sind, von der staatlich eingezogenen Kirchensteuer über Sonderstellungen beim Arbeitsrecht bis hin zu dem wie selbstverständlich eingeforderten “Respekt”, gegenüber den “oberen” Chargen dieser Organisationen, vom Pfarrer bis zur Reichsbischöfin EKD-Ratsvorsitzenden, vom Pfaffen bis zum Papst.

Jetzt hören zu müssen, wie die Chefin von dit Janze sturzhagelvoll im Dienstwagen durch Hannover brettert, nebenbei ne rote Ampel überfährt und dann auch noch die Frechheit besitzt, überhaupt noch irgend einen Ton öffentlich dazu zu sagen, anstatt einfach vor Scham im Erdboden zu versinken, sich jeden weiteren Kommentars zu enthalten und am besten mal ne längere Weile lautlos in eine der zahlreichen Örtlichkeiten der Hannöverschen Klosterkammer zu entschwinden geht an die Grenzen des Ertragens. Es ist halt leider doch ein gewaltiger Unterschied in der öffentlichen Rezeption zwischen Lieschen Müller, die strunzbesoffen verantwortungslos herumbrettert und zwischen jemandem in der Position von Frau Käßmann, die sich ein solches Verhalten qua Amt niemals leisten darf und kann und das wissen muß und wissen sollte und, da das nicht so zu sein scheint, offensichtlich also unfähig ist für die herausgehobene Stellung, die sie bekleidete und zu faul, zu geizig, zu dämlich oder was auch immer war, die blöde Karre einfach stehen zu lassen und ein Taxi zu nehmen oder ihren Fahrer (ihre Fahrerin?) oder sonstewen um Transport der sprituösen irdischen Hülle zu bemühen. Ich hätte kein Problem mit einer, angesichts ihrer nun einmal vorhanden gewesenen Position, bitte privat und entsprechend diskret gehandhabten lustigen kleinen Sauferei der Dame, derlei Absturz sei jeder und jedem von Herzen gegönnt, daran ist nichts ehrenrühriges, ich habe mich auch schon heillos besoffen und das Leiden der Welt der Bar vorgelallt, weil mir grad mal danach war. Aber man versuche dabei doch bitte Reste von Benimm zu wahren, und auf dem Wege von der Bar zum Bett schließlich versuche man doch bitte, sich irgendwie unauffälig und unter Vermeidung größerer Peinlichkeiten (und Kameras!) vom Ort des Gelages in die Federn zu begeben, das weiß jeder Kirchengemeinderat, da sollte auch die Frau Ratsvorsitzende schon mal von gehört haben. Ich frage mich auch, ob die Dame allen Ernstes allein gesoffen hat, und falls nicht, was ich mal annehme, wenn sie keine notorische Frustsäuferin ist, wer da eigentlich dann nicht dafür gesorgt hat, daß die lustige Schnapstrulla im Talar den Autoschlüssel gefälligst abgenommen bekommt. Da stellen sich noch so manche Fragen, wenn man ein wenig länger über die Sache nachdenkt …

All das zeigt mir wieder einmal, wo diejenigen, die mein lieb Mütterlein, wenn in Rage über die Zustände im Land, gerne mal salopp als “besseres Lumpenzeug” zu bezeichnen pflegt, zu verorten sind: Ganz weit unten. Also eigentlich sogar schon unterirdisch.

Irgendwo nun, zwischen wahlweise papistischen Kinderfickern, deren Taten gerne mal schon lang verjährt sind und protestantischen Saufelsen, die anscheinend im Suff komplett verpeilt haben daß es Taxis gibt also kann man diese ganze Sorte “Respektspersonen” und “AmtsträgerInnen” jetzt wohl abhaken – und sich innerlich abwenden vor Ekel vor dem ganzem Ruin, den man da inzwischen beinahe tagtäglich vorgesetzt bekommt.

Und von Politikern und deren Verhalten und Gesabbel redt’ man ja in der Hinsicht schon am besten gar nicht mehr, sonst müßte man ja Packerlweise Antikrawallon N forte und Valium noch dazu fressen, um nicht auszurasten vor lauter Ärger und Scham über die Zustände im Land.

Es gibt so Tage, an denen wünscht man sich ernsthaft die Sintflut als Bankrottvollstreckerin herbei …

Zumindest aber die Blümchen im grünen Salon sind hübsch.

Immerhin was.

Schwanzlurche …

Mittwoch, Februar 10th, 2010

auch Axolotl genannt, sind ja meine Sache nicht, und Literaturkritik ebensowenig wie Berghain und “hippe” Jugendunkultur. Aber es ist schon hochgradig erheiternd, wenn man sehr entspannt zusehen kann wie sich derzeit eine allzu junge Dame, anscheinend aus dem Dunstkreis der bis zum Abwinken breitgelaberten Berliner Hobby-Bohéme, zur kompletten Lachnummer macht, indem sie sich nicht nur erst von dem versammelten Medienzirkus der Republik hochschaukeln läßt für ihr literarisch anscheinend recht dürftiges Werk, nein, das jungsche Madammchen hat offenbar auch noch ganz dreist abgekupfert, wo es grad passend war. Hört man so. Nun, spätestens seit dieser anstrengenden Frau mit dem Pipimuschiriechensmalundlaufenswegbuch und dem peinlichen allseitigen Gewese um dieses “Werk” habe ich es grundsätzlich aufgegeben, mich mit derlei flachem Geschreibsel auch nur rudimentär zu befassen, andernfalls befände ich mich ja pausenlos im Zustand der vollkommenen und totalen Fremdscham, und wer will denn sowas haben? Ich konnte eine gewissse Sorte “Literatur” noch nie besonders gut ertragen, aber in den letzten Jahren sind mir da so einige Dinger in Buchform vor die Augen gekommen, die mich in ihrer grausam schlechten Schreibe derart entsetzt haben, daß ich mich dann doch lieber darauf beschränke, die Bestenlisten diverser Magazine zu meiden wie der Teufel das Weihwasser und mich lieber überraschen lasse von schönen Zufallsfunden. Wahlweise erinnert man sich gerne auch einmal an die Klassiker. Den ganzen unlesbaren neumodischen Rest verbuche ich unter “Niedergang des Abendlands”, trinke guten Tee aus englischen Silberkännlein und Rosenthal mit Blumenmuster und hoffe auf bessere Tage …

Nebenbei kann ich heute nur wärmstens das Konzert für Klavier und Orchester No. 1 in B-Dur op. 16 von Sergei Bortkiewicz anempfehlen. Die Aufnahme von Hyperion mit Stephen Coombs aus der “Romantic Piano” -Serie ist ganz zauberhaft! Wenn schon schlechte Bücher derart Präsenz im öffentlichen Raume greifen können, daß einem fast die Sahne im feinen Tee gerinnt, dann wenigstens die ganze gräßliche Malaise mit ausgesprochen guter Musik ertragen!

Ohne Worte …

Freitag, Juni 26th, 2009

war ich grad. Ich war den ganzen Tag beschäftigt und hatte keine Zeit, mir Nachrichten anzutun. Und nun das, mitten in der Nacht, zufällig beim gelangweilten Einschalten der Glotze am Mac: Farrah Fawcett ist heute gestorben. Das berührt mich wirklich, weil ich die Frau eigentlich immer klasse fand, seit ich sie in jungen Jahren in “Drei Engel für Charlie” sah. Und ihre offene Art, mit ihrem Krebsleiden umzugehen hat mir mehr als imponiert.

Ach ja, und dann auch noch die schlimmgrandiose Divette des Pop. Michael Jackson verblichen. Herzschlag, Herzstillstand. Die Musik des Abgedrehten hab ich zuweilen sehr gerne gemocht, zumal die Lala ja Teil meiner Jugend war. Es ist immer wieder klasse, das alte Zeuch zu hören und musikalisch war das ja auch wirklich erstklassig in weiten, weiten Bereichen. Motown war und ist der Hit! Und auch die späteren Sachen der Anfangsachtziger waren grandios. Aber den bis zur Lächerlichkeit zurechtgeschnippelten Irren der Jahre nach 1990 konnte ich irgendwann schlicht nicht mehr sehen, vor allem wegen der offensichtlichen kompletten und schon sehr krank anmutenden Durchgeknalltheit und fast schon jenseitigen Künstlichkeit der mit den Jahren immer weißer daherkommenden schwarzen Divette. Nein, schlecht reden mag ich nicht über Tote, aber irgendwie fällt mir hier das große Trauern sehr schwer. Es ist schad, ja, mit 50 muß man nun wirklich nicht schon gehen, zumal mit dem Talent und dem Drama, welches da offensichtlioch noch zu beackern gewesen wäre. Aber eben dieses Talent schien mir in den letzten Jahren dann doch sehr von diesem ganzen Theater um angebliche Kinderfickereien und peinlichsten öffentlichen Drama überdeckt, mit dem der Star (und wohl mehr noch sein Umfeld) die Welt mehr als genervt hat. Irgendwann war das alles schlicht zu arg und nur noch peinlich. Was bleibt? Die tolle Lala, der heillose Hype und das nun wirklich unumstößliche Ende einer ohnehin lang vergangenen Ära. Und jetzt gibbet ganz großes Trauerkino auf jedem Kanal bis zum Abwinken, und zwar mindestens solange, bis Jacko final unter der Erde ist. Na Bravo!

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