Archive for the 'Nützelich' Category

Alter Plunder …

Donnerstag, Mai 7th, 2009

So ein paar graue Tage bringen einen ja in sich selbst retour, man bleibt zuhaus und genießt dank Ekelwetter die paradiesische Ruhe auf dem Spielplatz unter dem Balkon und einen guten englischen Tee, heute mal aus dem Bachelor (Junggesellen-) Set von Yeomans von 1930, damals wiederum eine Allerweltsware, nichts besonderes, jedoch, heute findet man derlei nicht mehr. Und diese Sorte Kännlein hat Geschichte, in ihrer ganzen Einfachheit. Keine Schnörkel, einen bezaubernden Bauch und einen feinen eleganten Griff sowie Knopf aus schwarzem Bakelit. Und das Milchkännchen ist so klug gestaltet, insbesondere am Henkel, daß man da immer schön halt findet beim Gießen, Kleinigkeiten, auf die heute so selten geachtet wird beim Design von Alltagsdingen, die meistens ohnehin pottenhäßlich sind. Mein kleines Yeoman aber ist eine Freude für meine Augen, es macht Laune, daraus leckeren Tee zu trinken und verschönt triste graue Tage. Man wartet förmlich darauf, daß es anfängt, auf seinen lustigen kleinen Beinchen über den Tisch zu tänzeln …

Bachelor Teeset Yeoman 1930

Dazu dann die hübschen Tassen der Firma Enoch Wedgwood Tunstall Ltd., die ich für einen wirklich peinlich lächerlichen Preis auf dem schäbigen Flohmarkt am Rathhaus Schöneberg fand, um genau zu sein, ich fand dort zwei komplette Gedecke im rosa Woodland-Dekor, offensichtlich oll und in einigermaßen ordentlichem Zustand, vom etwas aus der Farbe gelaufenen Dekor am Tassenrand mal abgesehen, auf dem Wühltisch begraben in einem Karton mit einem ganzen Haufen Plunder. Da waren noch mehr Gedecke, ich hätte zugreifen sollen, aber die zugehörigen Tassen hatten allesamt schlimme Sprünge und zu viele Macken, leider, sonst hätte ich sie auch noch mitgenommen, für den Preis. Hier zwei verwackelte langweilige Bilder zur Anschauung:

Enoch Wedgwood - Woodland - Tasse Enoch Wedgwood - Woodland - Teller

Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig, nicht wenigstens alle Teller und Untertassen mitgenommen zu haben, aber was nicht ist, kann ja noch werden, wobei mir von der Sorte Transferware eher die grüne Variante gefällt, die man aber seltener findet als die rote, die nun in einfacher Form meine bescheidene kleine Teetafel bereichert, auch wenn das eigentlich eher Kaffeetassen sind, was mich nicht weiter kümmert. Auch diese Sorte Geschirr hat Geschichte, zumal es das erste für einfachere Leute bezahlbare Geschirr mit Dekor war, 1756 von Thomas Shaw und Samuel Gilbody bei der Firma John Sadler and Guy Green in Liverpool in erfunden, die die Technik des Drucks mit Holz-, später Kupferplatten via Seidenpapier auf Porzellan oder Steinzeug einführten, den “Umdruck”. Daraufhin sanken dank dieser neuen Technik die Preise für derlei Geschirr derart, daß auch normalsterbliche Menschen sich solcherlei leisten konnten. Weithin bekannt geworden ist Transferware allerdings durch Josiah Wedgwood, den Großvater von Charles Darwin, und weiters durch Enoch Wood, später auch durch Firmen wie Spode, Adams, Johnson Bros., und hierzulande Villeroy & Boch. Meine Großmutter hat ein Kaffeeservice der blauen Variante von Wedgwood hinterlassen, dessen Dekor ich grade nicht vor Augen habe, aus der Zeit vor dem Krieg, und das gute Stück wird schön von meiner Frau Mama für mich verwahrt, und wird wohl beim nächsten Besuch den Weg hierhin finden, was mich darauf bringt, daß ich dringend einen größeren oder einen zweiten Geschirrschrank brauche, weil, so langsam wird es eng … ich könnte aber auch das grottige schwarz-weiße Ysenburg Artwerk aus den Achtzigern, ein ungeliebtes Geschenk einer ehemaligen Freundin, auf seinen rechtmäßigen Platz verweisen und in den Keller, den Vorhof der Müllhölle, verfrachten, dann wäre wieder richtig Platz für noch mehr schöne alte Dinge …

Wegflation …

Dienstag, April 21st, 2009

könnte man das nennen, was da anscheinend im Anmarsch ist. Nun palavere ich ja schon lange von all diesen lustigen Dingen, aber was ich da heute in der FAZ lesen durfte war dann wieder einmal so ein hübscher kleiner Artikel, der mich anhand meiner täglichen Beobachtungen und Lektüre leider aufs Neue in meiner Meinung bestätigt, daß die Mehrheit der Bürger in diesem Land beileibe noch nicht mal ernsthaft begonnen hat zu begreifen, was diese Krise wirklich bedeutet, und was noch auf uns zurauscht an Unbill. Es sieht in anderen Ländern anders aus, die Iren, die Franzosen, die Polen, die Spanier, die Griechen zumal, haben, so glaube ich, schon weit mehr begriffen als wir trägen langsamen Deutschen, was die Stunde gechlagen hat. Sehen wir, was als nächstes kommt. Erstmal brauchen laut IMF die Banken in den USA 275 Milliarden Dollar, die europäischen benötigen schlappe 600 Milliarden, um zu überleben. Da wird mir elend. Und ich ahne Böses. Aber bitte, mal sehen, woher die Knatter wieder kommen soll, wer das schultern soll, ist mir rätselhaft. da wird dann wohl oder übel den tatsächlich und wahrhaftig Reichen Herren und Damen der teure Pelz von den Knochen gezogen werden müssen, weil, der Normalbürger z.B. in diesem Land kann das selbst vermittels abenteuerlichster Steuererhöhungen nicht leisten. Die SPD bölkt ja diesbezüglich schon ersten Unsinn herum. Am übelsten aber sieht es derzeit wohl bei den Briten aus, deren Pfund ist ohnehin nicht mehr das, was es mal war und deshalb lohnt sich stets ein netter Abend der Auktionssuche im Netz, um z.B. das hier für schon fast peinlich lächerlich kleines Geld zu finden:

Teeservice-Empire

Ich dachte, ich werd’ blind, als mir dieses wirklich selten schöne und zudem sehr alte Kleinod im Netz vor geraumer Zeit vor die zarte Kralle geriet. Dafür würde man hier beim Höker entspannt ein Vielfaches dessen bezahlen, was das traumschöne Service gekostet hat. Was dafür auf dem krankhaft teuren Flohmarkt auf der Straße des 17. Juni verlangt würde wage ich mir nicht mal auszudenken! Dort übrigens kann man am Wochenende schön stöbern, aber die Händler da sind zum überwiegenden Teil so derart durchgedreht in ihren Preisvorstellungen und so unwillig zum Feilschen, daß einem Zuweilen jede Freude an schönen alten Dingen vergeht. Letzthin wurde mir da z.B. von einem liebenswürdigen älteren Herrn, der anderswo im Netz sehr gelobt wurde und den ich u.A. aufgrund dieser Empfehlung aufsuchte, eine runierte alte Teekanne für ein unverschämtes Geld angeboten, bedenkt man den grauenvollen Zustand des Stücks, 50 Steine für ein heillos verkratztes, stumpfes, eingedelltes und innen völlig versifftes Irgendwas, welches man mit viel gutem Willen als ehemals schönes Beispiel englischer Handwerkskunst im Queen Anne-Stil erkennen konnte, ein skandalöses Trauerspiel für jeden, der alte Teekannen liebt. Da hätte auch kein stundenlanges Putzen mit Goddard’s mehr geholfen. Ich lehnte freundlich dankend ab und teilte dem netten Herrn dezent mit, daß man für das Geld derzeit im Netz komplette Teeservice in bestem Zustand en masse ersteigern kann und er seine Einkaufsgewohnheiten und Preisvorstellungen vielleicht ein wenig überdenken sollte. Deshalb lieber Empire in einem Zustand der fast neuwertig daherkommt. Dazu einen Golden Yunnan und Moszkowskis Klavierkonzert Op.59 in E-Dur und die durchgedrehte Welt ist wieder im Lot.

Einmal den Rückwärtsgang, …

Montag, April 20th, 2009

mit Geschlinger und Hü-Hott, könnte man sagen, bedenkt man, daß ich vom Tee zum Kaffee und nun wieder zum Tee geraten bin. Dazwischen liegen nahezu 30 lange Jahre seit den Anfängen meines Tee-Spleens und viel Kaffee, den ich nach wie vor gerne trinke. Und Tee natürlich. Endlich wieder in gesitteter Form und mit entsprechendem Geschirr. Ein lustiger Weg, der mich schließlich zur Espressotante und sammelwütigen Liebhaberin silbernen englischen Teesegeschirrs werden ließ. Anbei das kleine, versilberte, einfache von Viners of Sheffield für jeden Tag, einfach in der Form, aus den zwanziger Jahren, ein Allerweltsdesign damals, aber dennoch schlicht und schön. Und nach nahezu 90 Jahren noch fast wie neu. Hübscher allemal als irgendwelche gräßlichen Gußeisentöpfe, die ohnedies im Land ihrer Herkunft eigentlich nur zum Heißwasserbereiten gedacht waren und sind, aber hier in Europa in den letzten Jahren, innen emailliert, als originäre japanische Teekannen angepriesen und für teuer Geld verkauft werden. Oder den billigen chinesischen Porzellanschangel, den man für Unsummen angedreht bekommt. Dann lieber antik, versilbert, englisch und ebenso altes Rosenthal Maria dazu. Zauberhaft und mit Geschichte. Und weitaus günstiger zu ersteigern als das neu gekaufte, moderne, häßliche Zeug. Dazu einen Fine English Blend von Daniels Tea House in Steglitz, Milch und Zucker dazu und ich bin glücklich.

Ein besonderes Dankeschön für die vielen wertvollen Inspirationen bezüglich silberner Teekannen geht hiermit von Herzen an Don Alphonso! Der ist sowieso an allem Schuld und kann gar nichts dafür …

Viners of Sheffield - Silver Plated tea Set, 1920's

ps. Das zugehörige Tablett ist zwar nachweislich am selben Tage wie das Teeservice im anglischen Reiche abgeschickt worden, aber leider seit Wochen im deutschen Post-Inkompetenzgewirre verschollen und ich harre sehnsüchtig seines Erscheinens aus den Abgründen der schlamperten gelben Paketwelten. Also muß bis zum Eintreffen des guten Stücks das alte Edelstahl-Gefuddel aus Indien herhalten.

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