Archive for the 'Leckerland' Category

Englisches Porzellan …

Sonntag, Februar 21st, 2010

hat hierzulande anscheinend nicht so ganz den Stellenwert, den es verdient. Das mag daran liegen, daß die heutige Produktion nicht mehr so wirklich das ist, was man elegnat nennen mag, siehe die Inflation an Royal Alberts “Country Rose”, einem Design, welches erst seit 1963 existiert, aber dank barocker Anmutung den Anschein zu erwecken sucht, aus Urgroßmutters Stube zu stammen, und zwar vermittels heillos überdreht glänzender Goldränder nebst einem Roseninferno als Dekor, das ganz, ganz nah am Augenkrebs vorbeischrammt. Nun ist eine gewisse “ausgefranste”, auf den Schreben ausgesprenkelte Art des Goldrands typisch für viele englische Marken, von Doulton über Stafford bis Paragon, aber Royal Albert schafft es entspannt, die Sache auf die Spitze zu treiben. Meine Oma hat immer gesagt, daß man Gold nur platiniert ertrüge, es glänze zu oft zu ordinair. Und genau das ist eines der Mankos von Royal Albert und andern aktuellen englischen Herstellern: Viele der Stücke wirken leider arg billig. Das liegt vielleicht auch daran, daß sie inzwischen meistens in Fernost angefertigt werden. Ganz anders die Stücke aus den glorreichen Zeiten des British Empire, also von vor 1946, jenem unglückseligen Jahr, in welchem Downing Street sich ans Gängelband der Amerikaner hängen mußte, weil man vom Krieg gegen die Deutschen restlos, total und vollkommen bankrott war und sich einen Batzen Geld leihen mußte um überhaupt irgendwie weitermachen zu können. Zahlungsende war übrigens erst 2006. Wenig schön, das, und noch weniger schön ist in diesem Kontext wohl, daß jetzt so manches schöne Stück aus den Glanzzeiten des Empire ausgerechnet in deutsche Hände gerät, just wo das Pfund wieder einmal nicht gar so grandios dasteht und man sich manches leisten kann, was zur Zeit seiner Herstellung wohl eher weit jenseits der Möglichkeiten der Autorin dieser Zeilen hier gelegen hätte. Die Hunninen wieder einmal! Nebst der Ausplünderung des eximperialen Silberkännleinbestands des Inselvolks habe ich vor geraumer Zeit schon die Augenfreuden feinsten englischen Porzellans entdeckt, und ebenso habe ich die, verglichen mit kontinentalem Porzellan, teils lächerlichen Preise bemerkt und diesen Umstand selbstverständlich gnadenlos genutzt, mein Highboard noch ein wenig mehr vollzustopfen, sehr zur unbändigen Freude meines lieben Gatten, der die Anschaffung einer weiteren Geschirrvitrine schon am Horizont dräuen sieht.

Letzthin also fand ich dieses zauberhafte Geschirr von Sutherland, einer Marke des Herstellers William Hudson. Die Firma hat leider längst den Betrieb eingestellt, und es ist schwer, überhaupt Porzellan von Sutherland zu finden, welches im Übrigen aus Longton, einem Ortsteil von Stoke-on-Trent stammt, einem der ehemaligen Zentren der englischen Porzellanherstellung. Heute herrscht dort wohl eher der trübe Charme einstiger Größe, dem Ruhrpott und anderen verblichenen Industriezentren wohl nicht ganz unähnlich. Man baut langweilige Einkaufszentren und hofft dadurch auf Stadterneuerung, die Arbeitslosigkeit ist mit 20% recht hoch und die Jugend wandert ab. Dort nun stand dereinst eine Porzellanfabrik neben der anderen, die niedrigen Backsteinschlote der Brennöfen rauchten ununterbrochen und ich finde, bei aller Freude an schönem antiken Porzellan, daß man das wohl eher wenig prickelnde Leben all der Arbeiter nicht vergessen sollte, die das geschaffen haben, was heute so zauberhaft die Teetafel ziert. Ich möchte mir den lebenslangen Qualm und Dreck nicht vorstellen, der damals herrschte in den Industriezentren von Staffordshire. Ein kurzer Blick in die diversen Photosammlungen- und Archive im Netz genügt, um die Tristesse jener Zeit zu ahnen.

Umso mehr ein Grund, sich ganz besonders an diesem schönen Tea Set von Sutherland zu erfreuen, das nach nahezu 80 Jahren noch besser aussieht als so manches “Markengeschirr”, was den Leuten heutzutage für teuer Geld als elegant vorgesetzt wird.

Dazu einen feinen Earl Grey mit Sahne, Bakewell Tarts, Scones mit Clotted Cream, Jam oder Lemon Curd und Millionaires Shortbread und schön ist die Welt!

Alter Plunder …

Donnerstag, Mai 7th, 2009

So ein paar graue Tage bringen einen ja in sich selbst retour, man bleibt zuhaus und genießt dank Ekelwetter die paradiesische Ruhe auf dem Spielplatz unter dem Balkon und einen guten englischen Tee, heute mal aus dem Bachelor (Junggesellen-) Set von Yeomans von 1930, damals wiederum eine Allerweltsware, nichts besonderes, jedoch, heute findet man derlei nicht mehr. Und diese Sorte Kännlein hat Geschichte, in ihrer ganzen Einfachheit. Keine Schnörkel, einen bezaubernden Bauch und einen feinen eleganten Griff sowie Knopf aus schwarzem Bakelit. Und das Milchkännchen ist so klug gestaltet, insbesondere am Henkel, daß man da immer schön halt findet beim Gießen, Kleinigkeiten, auf die heute so selten geachtet wird beim Design von Alltagsdingen, die meistens ohnehin pottenhäßlich sind. Mein kleines Yeoman aber ist eine Freude für meine Augen, es macht Laune, daraus leckeren Tee zu trinken und verschönt triste graue Tage. Man wartet förmlich darauf, daß es anfängt, auf seinen lustigen kleinen Beinchen über den Tisch zu tänzeln …

Bachelor Teeset Yeoman 1930

Dazu dann die hübschen Tassen der Firma Enoch Wedgwood Tunstall Ltd., die ich für einen wirklich peinlich lächerlichen Preis auf dem schäbigen Flohmarkt am Rathhaus Schöneberg fand, um genau zu sein, ich fand dort zwei komplette Gedecke im rosa Woodland-Dekor, offensichtlich oll und in einigermaßen ordentlichem Zustand, vom etwas aus der Farbe gelaufenen Dekor am Tassenrand mal abgesehen, auf dem Wühltisch begraben in einem Karton mit einem ganzen Haufen Plunder. Da waren noch mehr Gedecke, ich hätte zugreifen sollen, aber die zugehörigen Tassen hatten allesamt schlimme Sprünge und zu viele Macken, leider, sonst hätte ich sie auch noch mitgenommen, für den Preis. Hier zwei verwackelte langweilige Bilder zur Anschauung:

Enoch Wedgwood - Woodland - Tasse Enoch Wedgwood - Woodland - Teller

Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig, nicht wenigstens alle Teller und Untertassen mitgenommen zu haben, aber was nicht ist, kann ja noch werden, wobei mir von der Sorte Transferware eher die grüne Variante gefällt, die man aber seltener findet als die rote, die nun in einfacher Form meine bescheidene kleine Teetafel bereichert, auch wenn das eigentlich eher Kaffeetassen sind, was mich nicht weiter kümmert. Auch diese Sorte Geschirr hat Geschichte, zumal es das erste für einfachere Leute bezahlbare Geschirr mit Dekor war, 1756 von Thomas Shaw und Samuel Gilbody bei der Firma John Sadler and Guy Green in Liverpool in erfunden, die die Technik des Drucks mit Holz-, später Kupferplatten via Seidenpapier auf Porzellan oder Steinzeug einführten, den “Umdruck”. Daraufhin sanken dank dieser neuen Technik die Preise für derlei Geschirr derart, daß auch normalsterbliche Menschen sich solcherlei leisten konnten. Weithin bekannt geworden ist Transferware allerdings durch Josiah Wedgwood, den Großvater von Charles Darwin, und weiters durch Enoch Wood, später auch durch Firmen wie Spode, Adams, Johnson Bros., und hierzulande Villeroy & Boch. Meine Großmutter hat ein Kaffeeservice der blauen Variante von Wedgwood hinterlassen, dessen Dekor ich grade nicht vor Augen habe, aus der Zeit vor dem Krieg, und das gute Stück wird schön von meiner Frau Mama für mich verwahrt, und wird wohl beim nächsten Besuch den Weg hierhin finden, was mich darauf bringt, daß ich dringend einen größeren oder einen zweiten Geschirrschrank brauche, weil, so langsam wird es eng … ich könnte aber auch das grottige schwarz-weiße Ysenburg Artwerk aus den Achtzigern, ein ungeliebtes Geschenk einer ehemaligen Freundin, auf seinen rechtmäßigen Platz verweisen und in den Keller, den Vorhof der Müllhölle, verfrachten, dann wäre wieder richtig Platz für noch mehr schöne alte Dinge …

Einmal den Rückwärtsgang, …

Montag, April 20th, 2009

mit Geschlinger und Hü-Hott, könnte man sagen, bedenkt man, daß ich vom Tee zum Kaffee und nun wieder zum Tee geraten bin. Dazwischen liegen nahezu 30 lange Jahre seit den Anfängen meines Tee-Spleens und viel Kaffee, den ich nach wie vor gerne trinke. Und Tee natürlich. Endlich wieder in gesitteter Form und mit entsprechendem Geschirr. Ein lustiger Weg, der mich schließlich zur Espressotante und sammelwütigen Liebhaberin silbernen englischen Teesegeschirrs werden ließ. Anbei das kleine, versilberte, einfache von Viners of Sheffield für jeden Tag, einfach in der Form, aus den zwanziger Jahren, ein Allerweltsdesign damals, aber dennoch schlicht und schön. Und nach nahezu 90 Jahren noch fast wie neu. Hübscher allemal als irgendwelche gräßlichen Gußeisentöpfe, die ohnedies im Land ihrer Herkunft eigentlich nur zum Heißwasserbereiten gedacht waren und sind, aber hier in Europa in den letzten Jahren, innen emailliert, als originäre japanische Teekannen angepriesen und für teuer Geld verkauft werden. Oder den billigen chinesischen Porzellanschangel, den man für Unsummen angedreht bekommt. Dann lieber antik, versilbert, englisch und ebenso altes Rosenthal Maria dazu. Zauberhaft und mit Geschichte. Und weitaus günstiger zu ersteigern als das neu gekaufte, moderne, häßliche Zeug. Dazu einen Fine English Blend von Daniels Tea House in Steglitz, Milch und Zucker dazu und ich bin glücklich.

Ein besonderes Dankeschön für die vielen wertvollen Inspirationen bezüglich silberner Teekannen geht hiermit von Herzen an Don Alphonso! Der ist sowieso an allem Schuld und kann gar nichts dafür …

Viners of Sheffield - Silver Plated tea Set, 1920's

ps. Das zugehörige Tablett ist zwar nachweislich am selben Tage wie das Teeservice im anglischen Reiche abgeschickt worden, aber leider seit Wochen im deutschen Post-Inkompetenzgewirre verschollen und ich harre sehnsüchtig seines Erscheinens aus den Abgründen der schlamperten gelben Paketwelten. Also muß bis zum Eintreffen des guten Stücks das alte Edelstahl-Gefuddel aus Indien herhalten.

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