Archive for Mai, 2009

Gehts noch schlimmer?

Samstag, Mai 23rd, 2009

Es gibt ja sone Veranstaltungen, da fragt man sich … die heutige Bundespräsidentenwahl, also, ähm, die Bundesversalmmlung im Reichstagsgebäude (jaja, so muß man den “Leichenwagen 1. Klasse, wie Ludwig Hoffmann den Kasten dereinst nannte, jetzt politisch korrekt bezeichnen), also diese peinliche Veranstaltung … ähm … wo war ich? Ach ja, ich war heute Fernsehzeugin einer Versammlung, würdig dem Nacktmullzüchterverein Strunzenbüttel. Es war wirklich ganz großes Damentennis! Beeindruckend vom Feinsten. Vielleicht demnächst noch das ganze bessere Lumpenzeuchs der politischen Haute Volée allesamt in Jeans, Turnschlappen und billigen Shirts oder in fallschirmseidenen Ensembles aus Neuköllner Exklusivproduktion? Und dann vielleicht noch etwas lauter das dümmliche Geplapper der versammelten Oberfuzzis, wie auf dem Schulhof, bis der Chef von dit Janze vor laufenden Kameras nach Ruhe drängen muß? Ich frage mich, wie weit diese ‘wohl wichtigste Veranstaltung des Staates’ eigentlich noch herunterkommen will?! Ich erinnere mich an Dokumentationen von Wahlen aus früheren Jahrzehnten, da sah man die Damen noch im eleganten Kostüm und die Herren im Frack, es herrschte eine durchaus würdevolle Stimmung und deutlich mehr Ruhe im Hohen Haus, lang ists her, und leider haben die 68er mit dem Muff und der Steifheit auch jeden Rest von Stil und Würde aus derlei staaatlichen Veranstaltungen rausgekehrt, schade auch. Das Kind quasi mit dem Bad ausgeschüttet. Dumm gelaufen. Daß der von mir so gar nicht geschätzte alte und neue Herr Bundespräsident es fertigbrachte, vor laufenden Kameras zur Hilflosigkeit der kommentierenden Fernsehfritzen offensichtlich 12 Minuten zu spät zur Erklärung seiner eigenen Wiederwahl ankutschiert zu kommen und den Herrn Bundestagspräsidenten wie einen drittklassigen Hotelboy vor der Reichstagspforte warten und warten zu lassen  grenzt ans Absurde. Ich frage mich durchaus, welche weiteren Ebenen öffentlicher totaler Peinlichkeit ich in diesem Staatswesen von Mitgliedern der politischen “Klasse” noch erleben darf …
Von der Festveranstaltung auf dem 17. Juni mag ich gar nichts erzählen, ich tat mir’s am Abend wegen Auswärtsbesuch an und fand wieder einmal, daß in Berlin wohl mit Abstand die schlechtgekleidetsten und schlampigst daherkommenden Menschen ganz Europas unterwegs sind, die Stände waren ein schlechter Witz und der janze Helau einfach nur peinlich. Touristengeschepper für Provinztrutschen halt. Die finden sowas ganz ganz toll. Als Berlinerin muß ich ja vor meinen FreundInnen verheimlichen, daß ich da war, sonst werde ich als gehirnamputierte Wahnsinnige gemieden.

Alter Plunder …

Donnerstag, Mai 7th, 2009

So ein paar graue Tage bringen einen ja in sich selbst retour, man bleibt zuhaus und genießt dank Ekelwetter die paradiesische Ruhe auf dem Spielplatz unter dem Balkon und einen guten englischen Tee, heute mal aus dem Bachelor (Junggesellen-) Set von Yeomans von 1930, damals wiederum eine Allerweltsware, nichts besonderes, jedoch, heute findet man derlei nicht mehr. Und diese Sorte Kännlein hat Geschichte, in ihrer ganzen Einfachheit. Keine Schnörkel, einen bezaubernden Bauch und einen feinen eleganten Griff sowie Knopf aus schwarzem Bakelit. Und das Milchkännchen ist so klug gestaltet, insbesondere am Henkel, daß man da immer schön halt findet beim Gießen, Kleinigkeiten, auf die heute so selten geachtet wird beim Design von Alltagsdingen, die meistens ohnehin pottenhäßlich sind. Mein kleines Yeoman aber ist eine Freude für meine Augen, es macht Laune, daraus leckeren Tee zu trinken und verschönt triste graue Tage. Man wartet förmlich darauf, daß es anfängt, auf seinen lustigen kleinen Beinchen über den Tisch zu tänzeln …

Bachelor Teeset Yeoman 1930

Dazu dann die hübschen Tassen der Firma Enoch Wedgwood Tunstall Ltd., die ich für einen wirklich peinlich lächerlichen Preis auf dem schäbigen Flohmarkt am Rathhaus Schöneberg fand, um genau zu sein, ich fand dort zwei komplette Gedecke im rosa Woodland-Dekor, offensichtlich oll und in einigermaßen ordentlichem Zustand, vom etwas aus der Farbe gelaufenen Dekor am Tassenrand mal abgesehen, auf dem Wühltisch begraben in einem Karton mit einem ganzen Haufen Plunder. Da waren noch mehr Gedecke, ich hätte zugreifen sollen, aber die zugehörigen Tassen hatten allesamt schlimme Sprünge und zu viele Macken, leider, sonst hätte ich sie auch noch mitgenommen, für den Preis. Hier zwei verwackelte langweilige Bilder zur Anschauung:

Enoch Wedgwood - Woodland - Tasse Enoch Wedgwood - Woodland - Teller

Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig, nicht wenigstens alle Teller und Untertassen mitgenommen zu haben, aber was nicht ist, kann ja noch werden, wobei mir von der Sorte Transferware eher die grüne Variante gefällt, die man aber seltener findet als die rote, die nun in einfacher Form meine bescheidene kleine Teetafel bereichert, auch wenn das eigentlich eher Kaffeetassen sind, was mich nicht weiter kümmert. Auch diese Sorte Geschirr hat Geschichte, zumal es das erste für einfachere Leute bezahlbare Geschirr mit Dekor war, 1756 von Thomas Shaw und Samuel Gilbody bei der Firma John Sadler and Guy Green in Liverpool in erfunden, die die Technik des Drucks mit Holz-, später Kupferplatten via Seidenpapier auf Porzellan oder Steinzeug einführten, den “Umdruck”. Daraufhin sanken dank dieser neuen Technik die Preise für derlei Geschirr derart, daß auch normalsterbliche Menschen sich solcherlei leisten konnten. Weithin bekannt geworden ist Transferware allerdings durch Josiah Wedgwood, den Großvater von Charles Darwin, und weiters durch Enoch Wood, später auch durch Firmen wie Spode, Adams, Johnson Bros., und hierzulande Villeroy & Boch. Meine Großmutter hat ein Kaffeeservice der blauen Variante von Wedgwood hinterlassen, dessen Dekor ich grade nicht vor Augen habe, aus der Zeit vor dem Krieg, und das gute Stück wird schön von meiner Frau Mama für mich verwahrt, und wird wohl beim nächsten Besuch den Weg hierhin finden, was mich darauf bringt, daß ich dringend einen größeren oder einen zweiten Geschirrschrank brauche, weil, so langsam wird es eng … ich könnte aber auch das grottige schwarz-weiße Ysenburg Artwerk aus den Achtzigern, ein ungeliebtes Geschenk einer ehemaligen Freundin, auf seinen rechtmäßigen Platz verweisen und in den Keller, den Vorhof der Müllhölle, verfrachten, dann wäre wieder richtig Platz für noch mehr schöne alte Dinge …

“Dolce Freddo”, …

Dienstag, Mai 5th, 2009

süßer Fred (oder auch ganz simpel: süß und kalt), heißt die Eisdiele in der Maaßenstraße nahe dem Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg, deren Besitzer anscheinend glaubt, er könne es sich erlauben, mitten im Homokiez schwulen- und lesbenfeindlich gegen seine Schwulen und Lesbischen Kunden herumzupöbeln. Soviel schlichtes Gemüt wird in jener Gegend wohl nicht wirklich goutiert, und deshalb gibt es auch viel Getöse und Geschrei um eine Geschichte von dem Herrn des Eises und seinem angeblichen Gepolter, welches er laut Presse und Buschtrommeln mit dem Schutz von Kindern und Migranten rechtfertigt. Wahrscheinlich ist er einfach am falschen Platz und von den phösen Hommos genervt, aber dann sollte er halt auch keine Kohle mit denen verdienen wollen und sich am besten nach Neukölln oder in den hinteren Wedding verziehen mit seinem Laden, da kann er dann seine Rücksichten voll ausleben und da wird dann auch seine Kasse von den schlimmen Homoletten nicht mehr derart anstrengend belästigt. Dinge gibts, da fragt man sich als alte Transe schon …

Edit: Auf Samstag, 09. Mai ist ein “Kiss-Inn” mit Anspruch vor diesem dämlichen Laden angesagt. Nicht, daß ich dahin gehen würde, ausgerechnet in den Nollendorfkiez! Und wenn ich es doch täte, dann nur, um zu sehen, wie meine Leute sich in aller Öffentlichkeit lächerlich machen indem sie mit einer Massenknutscherei versuchen, einen offenbar ohnehin schon schwer homophoben italienischen Eisrüpel zur Einsicht zu bewegen, indem sie ihn noch irrer machen mit wüstem Lippengeschlabber én public vor seinem Etablissement. Ich bin ja für derlei zu altmodisch. Aber bitte, der Mann hat das anscheinend redlich verdient, mit seinem absurden Theater, welches er da veranstaltet hat.

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