Einerlei …
Donnerstag, März 19th, 2009ist mir heute morgen. Ich langweile mich regelrecht. Außerdem habe ich gerade eine grenzdepressive Phase und finde alles scheiße und bäh. Kein Wunder bei dem doofen Wetter und der absurden Weltlage. Also im Netz herumgestreunt. Diverse Blogs durchstöbert. Hochgradig amüsiert. Sehr! Mich weiters dann über dumme Forenschreiber in diversen Ecken geärgert. Wie kann man nur so derart dämlich und strunz sein?! Zum ersten Mal seit langer Zeit auch mal bei Haubenlerchens vorbeigeschaut und festgestellt, daß sich anscheinend gewisse Dinge leider wirklich nie ändern und gleichbleibend belanglos sind und wohl auch immer waren, egal wie viele Monate und Jahre ins Land gehen. Dabei an B. gedacht und mich gefragt warum und weshalb eigentlich und ob es nicht gescheit wäre, mal … Frau B.? Sie könnten ja auch mal anrufen, aber, blöd, das hatte ich Ihnen ja untersagt. Was eine Zwickmühle! Muß ich jetzt schon wieder? Nun ja. Und ich war seit Ewigkeiten nicht aus. Ich bin ja sozusagen zur totalen Höhlenbewohnerin mutiert, kompletto, aber ehrlich, nach all dem Streß der letzten Monate und der kläglich gescheiterten Relokalisierung, aus Gründen, für die ich mal ausnahmsweise mal wirklich nichts kann, das war alles zuviel und erforderte einen sehr extravaganten Rückzug aus nahezu allem außer dem Hauskleid. Muß ich demnächst mal ändern, wenn ich schon gezwungen bin hier zu verweilen fürs Erste, dann sollte ich mal schauen ob die Stadt noch stilloser geworden ist als sie es vor Monaten schon war. Ich mein, klar, Berlin hatte noch nie ernsthaft Stil, aber, na, man weiß wohl, was ich meine. Es könnte ja sein, daß die Stadt es zuwege bringt, jetzt in der Krise einen lustigen Tanz aufzuführen und spannend zu werden, weiß man ja nicht. Wahrscheinlich hat sich aber nur wenig geändert, ich gehe mal davon aus daß die dummen Homoletten sich noch immer die Schamhaare komplett abrasieren und die LaiendarstellerInnen auf den Bühnen im jeweils siebenten Hinterhof sonstewo noch immer so erbärmlich schlecht sind wie sie es vor Beginn meiner Wintereremitage und andauernden Pilgerreisen in den Süden waren. Warum bloß muß ich jetzt an grottenschlechte hobbyliterarische Ergüsse über nichtgehabten Sex und an vermiefte rote Samtvorhänge denken?! Achso, ja, die Kneipe, die ich eigentlich sehr mag, und dieser Abend, der quasi der vorletzte Schlag für meine Leidensfähigkeit beim Ertragen unterirdischster Abendveranstaltungen war, im Spätherbst. Jetzt kommt ja vielleicht auch mal sowas wie Frühling umme Ecke, da könnte man dann, mit besserer Laune und dünneren Socken, meinetwegen mit mindestens drei Gin-Tonic intus so manches nochmal neu betrachten … die Hoffnung stürbet bekanntlich ja zületzet. Weia.
Weltlagenrundumschlag:
Bernanke faselte dieser Tage Scheiße von Ende der Rezession. Ich wundere mich nur noch darüber, wer diesen ausgemachten Dünnpfiff überhaupt noch ernst nimmt, den dieser Mann absondert. Aber da ist er ja in bester Gesellschaft, das Püppi hat ja dieser Tage gerade aufs peinlichste bewiesen daß es ohne Teleprompter noch nicht mal mehr große Reden schwingen kann. Die Arbeitslosigkeit in England erreicht neue Dimensionen. Gerald Celente redet wieder einmal Klartext (Teil 1 – Teil 2) und bringt die Dinge auf den Punkt und zurück in die unschönen Bereiche der Realität jenseits von Medienverlogenheit. Die GEAB redet auch deutlich. Die Junge Welt schreibt hier etwas dazu. Der IWF soll als neues Wundermittel zum Weiter-Ignorieren der Krise mit reichtig Kohle zugeschissen werden und damit noch mehr Staaten ins Unglück reiten. Und nun meint der Herr Bernanke von der FED nochmal, er müßte was absondern, und zwar dieses: Er meint er müßte mal nebenbei 1 Billion $ sinnlos in die Welt werfen. So kann man natürlich auch nach Weimar kommen, und lang ist der Weg dahin nicht mehr, Viva la Inflation, oder: Der letzte Nagel im Sarg der Weltfinanz und Weltwirtschaft und somit des Gesamtsystems wurde mit dieser kranken FED-Aktion heute mindestens hervorgeholt, wenn nicht sogar schon eingeschlagen. Mann nennt sowas allgemeinsprachlich auch “die staatliche Gelddruckmaschine anwerfen”, und derlei ist bekanntlich der direkte Weg in die nach allem lesbaren Fachwissen durch nichts aufzuhaltende Inflation bzw., im weiter Verlauf des Elends, Hyperinflation. Wir werden sehen, was dahintersteckt und wohin es schlielich führen wird …
Aber wie wir überall hören können sind alle Kritiker der Lage ja entweder dumme Unkenrufer oder fehlgeleitete Kassandren oder beides oder noch Schlimmeres, also wird bestimmt bald alles wieder gut, die Krise ist entweder im September, also im frühen Herbst schon vorbei (danke, Herr zu Guttenberg, für diesen größten Schwachfug, den je ein deutscher Wirtschaftsminister abgesondert hat!) oder sie ist im nächsten Frühjahr vorbei oder vielleicht im Sommer oder erst 2011 wie oder wat und wo und warum?! Wahnsinn! Alle durchgedreht! Ich mein, man fragt sich: Für wie grenzdebil wird eigentlich quasi jeder einigermaßen intelligente verninftbegabte Mensch dieses Planeten gehalten, wenn einem derartig volksverdummender Hirnriss als Nachrichten angedreht wird, dieweil sämtliche, aber auch wirklich sämtliche seriöse Zahlen und Fakten eine mehr als oberdeutliche Sprache gegen dieses Schönwettergefasel des Mainstreams sprechen?! Das ist Realsatire vom Allerfeinsten! Orwell hätte sich derlei wohl nicht in seinen wüstesten Alpträumen vorstellen mögen, und Goebbels hätte wahrscheinlich für solche Möglichkeiten zur Realitätsverdrehung und Volksverblödung (“Propaganda/Meinungsbildung”) seinen Bobbo verkauft (Seele war bekanntlich ja schon wegverpfändet). Oder sowas in der Art. Sie verstehen schon, was ich sagen will. Mich grausts bei dem Gedanken wie sich diese Krise (so langsam nervt das Wort) noch entfalten kann und was das für die Gesellschaft und unser gesamtes derzeitiges Leben tatsächlich bedeuten wird kann.
Zuletzt:
Heute bei diesem fürchterlichen schwedischen Möbelhaus gewesen. Mit Gattenschatz bissel Schischi für den Haushalt gekauft. Bei Ankunft an den Kassen wurde mir mulmig. Inzwischen sind da in Tempelhof mehr als die Hälfte der Kassen in Selbstbedienungsterminals umgewandelt. Letzthin habe ich irgendwo gehört daß ein kluger Mensch mal ausgerechnet hat, was diese Firma an Geld einspart durch die Eigenleistung ihrer Kunden beim Zusammenbau des Schrotts der Möbel, die da so feilgeboten werden, Kunden, die in aller Frechheit und Geschmacklosigkeit auch noch von allen Seiten zwangszugedutzt werden, zu all den Abartigkeiten, die man sich in dem Laden ohnehin schon antun muß, was die angebotene Ware angeht, von den Horden schlecht erzogener Bälger, die einem dort bei jedem Besuch auf Schritt und Tritt immer zwischen die Beine rennen mal ganz abgesehen. Zu meiner Ehrenrettung: Ich kaufte lediglich günstige Leuchterkerzen und ein Vorratsglas. Weil mein Geldbeutel extrem klein ist und das Zeug dort billig zu haben und wir grad um die Ecke waren. Was ich in solchen Momenten wie heute wirklich hasse. Ich überlege dann immer ob ich das wirklich mit mir und meinem Selbstwertgefühl und meinem Weltgewissen vereinbaren kann, so einen Laden zu unterstützen, indem ich da einkaufe …
Zurück zum Thema Kassen: Wie lange wird es wohl noch dauern bis auch das letzte Kassenpersonal abgeschafft/wegrationiert ist? Bleiben die ehemaligen Kassenleute dann bei der Firma oder werden die entlassen und dürfen sich einreihen in das Heer der lustigen Hartzvierler? Wie lange kann man dort noch mit Bargeld zahlen, bevor man auch da gezwungen wird zur Zahlung eine Karte zu besitzen und sich noch gläserner zu machen als man das ohnedies schon ist? Derlei gräßlicher Selbstbedienungsunfug nimmt im Übrigen massiv zu, auch große Supermarktketten und selbst die Discounter sind bereits längst auf dem direkten Weg zu Kassen ohne Personal. Oh schöne neue Welt! Und die Leute finden das klasse und sind begeistert (keine Kassenschlangen mehr?) und raffen anscheinend nicht wirklich, wohin das alles zwangsläufig führen wird kann. Erstens: In eine üble Zweiklassengesellschaft. Wer im System ordentlich mitspielt, sich keine Schnitzer erlaubt und ne Karte als Ersatzmedium für ohnehin schon wertloses Papier hat ist fein raus. Wer aus dem System rausfällt hat auch ne Karte: Die fürn Arsch. Und selbigen darf er dann zu folgenden Orten tragen: Erdgeschoßwohnung im Hinterhaus, Billigjob (wenn noch Arbeit da ist), danach dann Jobcenter, Sozialamt, Armenkaufhaus, Suppenküche und Tafel. Ganz tolle Aussichten! Das schlimmste daran: Wir sind schon mindestens beim letzten Drittel des Weges dahin angekommen. Es fehlt nicht mehr viel. Und der Michel pennt, guckt DSDS und wählt im Herbst Schwarz-Gelb. Na Bravo!



